PAL POSITIONS – Das Programm
Hier haben unsere Zuschauer die Möglichkeit sich über die einzelnen Sendebeiträge zu informieren, fragen zu stellen und gerne auch Kommentare zu hinterlassen.
DIE ARBEITEN
Michael Dölitzsch | „BETWEEN THE HIGHLIGHTS“ | 28.21 min (2009)
Für „Between the Highlights“ hat M.D. einen Kandidaten
aus der vierten Staffel der deutschen Realityshow „Big Brother“
interviewt. Er befragt den aus dem kleinen thüringischen Städtchen
Hermsdorf stammenden Kandidaten Holger Remme, der durch „Big Brother“
zu einem Star wurde, zu seinen Beweggründen, seinen Erfahrungen
hinter den Kameras und zu den Dingen, die nicht zwischen den
allabendlichen Höhepunkten im Fernsehen gezeigt wurden.
Dölitzsch benutzt dabei den investigativen Interviewstil,
um hinter die Kulissen des Reality-TVs „Big Brother“ zu schauen
und somit die fragwürdige Publizität dieses beliebten Fernsehformats
entlarven zu können.
Christoph David | “worth mentioning”| ca. 2-3 min. (2011)
Die Arbeit “worth mentioning” von C.D. setzt sich mit dem
verbalen Product Placement in Spielfilmen auseinander.
Bekannte Schauspieler bewerben ganz nebenbei Markenprodukte,
indem sie diese beiläufig erwähnen. C.D. schneidet kurze Sequenzen
aus bekannten Spielfilmen zusammen, sodass ein rhythmischer abstrakter
Handlungsstrang entsteht, der den Fokus auf das durch berühmte
Schauspieler gesprochene Wort und somit das Produkt legt.
Die Found-Footage-Arbeit beschŠftigt sich inhaltlich mit Werbestrategien
und Produktplatzierungen im Film.
Anna Baranowski | „orale leerlaufhandlung“ | 1:16 min (2009)
In der Arbeit „orale leerlaufhandlung“ setzt sich A.B. mit
den Mechanismen der Werbeindustrie auseinander.
Indem die Protagonistin in einer Nahaufnahme gezeigt wird,
wie sie zwanghaft an ihren bereits „zerfressenen“ Fingernägeln kaut,
wird die formal der Werbeästhetik entnommene Bildsprache,
ad absurdum geführt. Das Fingernägelkauen wird von Psychologen
aufgrund seiner entlastenden und befriedigenden Wirkung
als „Leerlaufhandlung“ bezeichnet. In der Werbeästhetik gedreht,
nutzt A.B. das Bild der nägelkauenden Frau sinnbildlich für
den Stress, den Leistungsdruck und die Überforderung,
denen viele Menschen in der heutigen Gesellschaft ausgesetzt sind.
Sie geht dabei der Frage nach, inwieweit die von der Werbung
indoktrinierten Schönheitsideale den sozialen Umgang miteinander
beeinflussen.
Luise Schröder | „Projektion einer Revolution“ | 7:37 min. (2010)
Die Videoarbeit dokumentiert die Generalprobe einer TV-Korrespondentin
und ihres Teams für die Live-Übertragung der 18.00 Uhr-Nachrichten
am 9. Oktober 2009 zu dem 20 jährigen Jubiläum der
sog. „Friedlichen Revolution“ auf dem Augustusplatz in Leipzig.
L.S. beleuchtet in „Projektion einer Revolution“ das Gedenken
sowie die Geschichts- und Erinnerungskonstruktionen unter
dem Aspekt ihrer medialen und politischen Logik und Verwertbarkeit.
Benjamin Kilchhofer | „Happenings (1-11“) | 0.55 min. (2011)
„Happenings“ besteht aus elf Kurzmeldungen über Künstler,
welche durch ihre Kunst bzw. in ihren Kunstaktionen umgekommen sind.
Es handelt sich dabei um teilweise absurde Todesumstände,
wie z.B. einem Bildhauer, welcher von seiner Skulptur erschlagen
wurde. Diese Todesnachrichten werden zwischen die einzelnen Beiträge
im laufenden Programm als Interventionen gestreut.
Während die kurze Todesnachricht von einem Sprecher vorgelesen wird,
bleibt das Bild in dieser Zeit schwarz.
Hein-Godehart Petschulat | „STILL“ | 5.24 Min (2004
H.G.P. setzt sich in seiner Arbeit „STILL“ mit dem Format der scheinbar neutralen Informationsvermittlung in Nachrichtensendungen auseinander. Er lässt den Tagesthemen-Sprecher Ulrich Wickert 5 Minuten vor laufender Kamera schweigen. Durch das Weglassen von Nachrichten, wird nicht nur der Zuschauer irritiert, sondern auch ein Freiraum für individuelle Interpretationen und Denkräume geschaffen. Durch den bewussten Verzicht der auditiven Nachrichtenwiedergabe und dem damit einhergehenden Bruch der konventionellen Sichtweise, gelingt es H.-G. P. das Augenmerk auf das Dazwischen der Nachrichten zu lenken.
Doreen Schuster | „Ich kann grad nicht“ | 5.00 min (2011)
“Ich kann grad nicht” ist eine mediale Intervention,
die sich mit der Erwartungshaltung des Fernsehpublikums beschäftigt.
Sie besteht aus einer sich stetig wiederholenden Handlungssequenz,
die immer wieder ins Leere läuft, um sich am Ende selbst zu entlarven.
Silke Fischer-Imsieke | „x – Welt der Wissenschaft“ | 6.57 min (2010)
Im Fokus der Arbeit „X-Welt der Wissenschaft“ steht die Auseinandersetzung
mit aktuellen Bildungs- und Wissenschaftssendungen im Medium
Fernsehen. Das besondere Interesse hierbei gilt Fragen nach der
massenmedialen Wissensvermittlung und Bildsprache,
welcher sich die entsprechenden Sendeformate bedienen,
um Glaubwürdigkeit zu erzeugen. Anhand eines fingierten
Sendebeitrags, der sich mit dem Ursprung der Geschlechterdifferenz
befasst, werden Strukturen der medialen Wissensvermittlung analysiert.
Eingängige Bilder werden mit vereinfachten und verkürzten Theorien
kombiniert, so dass ein leicht verständliches Fazit gezogen werden
kann. Zudem erlaubt eine weitgehend uniforme Bildsprache,
schnell an bereits Gesehenes und Gehörtes anzuknüpfen.
Sophie Stephan | “Eine lange Weile” | 13.31 min. (2011)
In „Eine lange Weile“ wird ein Textauszug aus Paul Virilios
Einleitung zu seinem Buch „Revolutionen der Geschwindigkeit“
handschriftlich abgeschrieben. Paul Virilio beschreibt in
seiner Einleitung die Veränderungen des Wettlaufs mit
der Zeit für den Menschen. Ferner schildert er den frühen
Machteinfluss der schnellen Nachrichtenüberlieferung.
Welche Auswirkungen hat die steigende Geschwindigkeit
auf den Menschen? „Eine lange Weile“ weist auf die Schnelligkeit
und Informationsflut der Gegenwart hin, in dem sie das Medium
Fernsehen mit Langsamkeit konfrontiert und die Verarbeitung
von Information in eine andere Relation setzt. Die Verlangsamung
fordert die Konzentration und ein bewusstes Beobachten
des Fernsehpublikums heraus. Gleichzeitig findet eine
Entschleunigung des Fernsehens statt und öffnet den Blick
auf den persönlichen Akt des Schreibens einem Massenpublikum.
Ki Duk Kim | „20:15“ |1.31 min. (2011)
„20:15“ ist ein Found-Footage-Film, der aus Überlagertem Bildmaterialien
aus Nachrichten, Werbeclips und Filmen besteht, die in der Prime Time
zwischen 20:15 bis 20:16 gesendet werden. Die einzelnen Clips werden
Übereinander gelegt, so dass ein abstraktes Fernsehbild entsteht.
Die Arbeit soll den Reproduktionsprozess in der modernen Gesellschaft
symbolisieren, der durch die Schnelligkeit des Mediums Fernsehen
eine scheinbar endlose Bilderflut erschafft.
Victor Mazon Gardoqui | „Alpha_01“ | 5.05 min (2011)
„Alpha_01“ von V.M.G. beschäftigt sich mit den Auswirkungen des Fernsehens auf die physischen und psychischen Zustände des Fernsehpublikums. V.M.G. untersucht dabei den Einfluss der Licht- und elektronischen Impulse des Mediums Fernsehen auf die die visuellen Reize verarbeitenden Nerven. So versucht er mithilfe von Alpha-Wellen beim Betrachter einen Zustand zwischen Imagination und kreativer Halluzination herzustellen. Selbst wenn die Augen geschlossen sind, nimmt der Kšrper diese sogenannten Alpha-Wellen wahr. Diese spezifische Lichtfrequenz stimuliert den visuellen Cortex, wodurch das Gehirn mental und muskulär entspannt und dabei zwischen dem Zustand des Bewusstseins und Unterbewusstseins oszilliert. Das Projekt entstand im Zusammenhang mit videosynthetischen Arbeiten und einer audiovisuellen Opensource-Software, mit dem Ziel, den Betrachter stärker in unterbewusste Schichten einzubinden.