moving lyric die zehnte: Der trojanische Herd

Die zehnte Sendung zeigt eine Besonderheit: Die Verfilmung eines Gedichts dessen Autor lebt. Das Gedicht ist für unsere Sendung geschrieben und wird bei moving lyric seine Urausstrahlung/aufführung erleben. Der Autor, Konstantin Hondros wurde 1985 in Wien geboren.

Über das Gedicht schreibt er:„ich versuche mit dem gedicht unsere illusion einer raum/zeit distanz zu gewalt auf verschiedenen ebene zu relativieren. ein weiteres anliegen war sicher das, eine person mit eher geringem epischen gehalt in einem furchtbaren bild zu zeigen. hekabe als sinnbild derer, von denen man gemeinhin nichts hört.
da ich seit langem mit der filmemacherin befreundet bin, wollte ich ihr gerne ein gedicht zur verfügung stellen, das themen behandelt, die ihr am herzen liegen. die idee zur sendung überhaupt etwas beizutragen entstand aus dem wunsch nicht nur große gedichte alter meister verfilmt zu wissen.“

der trojanische herd
gebeugt sich vor griechischen mächten
stöhnt troja das todkranke pferd
ebenso muss sich erbrechen
hekabe am einsamen herd
weine nicht kleine hekabe
weil nächtlich so mancher tief schlief
sie waren so müd vom gelage
selbst statuen standen schon schief
alleine ist sie geblieben
schweißnass am blutigen mann
verlieren sich heute die lieben
im tagtraum dem verhassten wahn
die blüte tödlich vertrocknet
brennt nicht nur der ofen zu heiß
auf schultern des sohnes hockend
winkt fernab dein männchen so leis
heute ist niemals mehr morgen
der atem ganz kalt und zu still
viele sind leichthin gestorben
wenn irgendwo jemand das will
schlaf noch nicht kleine hekabe
weil niemand heut nacht nach dir rief
das gesicht zeigt deine gabe
ein lächeln entdeckt sich mir tief
später
zukunft verhallt nicht im alt-ich
wiederkehr steigert die furcht
lebt leise in leichtheit und pracht
auf sparsamer flamme so sacht
bis sie mit anhieb erwacht
denn fast ist´s als malt sich
zu gerne die ähnliche frucht

Zur Interpretation des Gedichts meint Rosalie Hübl, die in dieser Folge Regie geführt hat, dass diejenigen, die Kriege planen, im Regelfall nicht die sind, die selbst im Krieg sterben. Sie hat die verschiedenen Spielbretter als Symbole für die verschiedenen Strategien von Krieg verwendet. Mit der Entscheidung, dass die Charaktere nicht nur ein Spiel spielen, wollte sie hervorheben, dass es nicht um einen bestimmten Krieg sondern um Krieg als solches geht.
Dass das Spiel einer/eines danebensitzenden Schauspielerin/s immer stoisch, fast phlegmatisch ist, erklärt sie damit, das es in Kriegen ebenso immer Nationen gibt, die zu- oder gar wegschauen.

Dieses Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission
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