Die DVD ist da!

08.07.2010

Hi!

nach intensiver Arbeit konnten wir am 1.7. unsere neue DVD vorstellen!

Für alle, die es nicht ins Schikanederkino geschafft haben gibts hier ein Paar Bilder:


Die Aussenseite

und

die Innenseite

Im Booklet gibts neben den Standards (Wie Dank, Impressum etc.) Gedichte in deutscher und englischer Fassung.

Bei Interesse bitte melden

christian[äht]implizit[punkt]org

(DVD Design, Authoring und Untertitelung: Lukas Heistinger und Christian Kurz)

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1.7. 2010 19h Abschlusspräsentation im Schikanederkino

24.06.2010

Jetzt ist es so weit, moving lyric ist abgedreht und wir präsentieren euch alle 12 Folgen im Kino.

Das ganze findet im Im Schikanederkino (Margaretenstraße 24, 1040 Wien) statt, also kommt früh, damit ihr noch sitzen könnt.

Bis dann,

euer moving lyric-team


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moving lyric, die zwölfte und letzte: Baudelaire

13.06.2010

Für die letzte Folge unserer Sendung haben wir ein besonderes Schmankerl aufgehoben: Charles Baudelaire.

In Paris geboren (9.4.1821) verbrachte er seine Kindheit in Paris und Lyon. Im zarten alter von sechs Jahren verstarb der Vater Baudelaires und er war durch die frühe Wiederheirat seiner Mutter mit einem Militär verstört. Kurz vor seinem Schulabschluss wurde er wegen Ungehorsams des Unterrichts verwiesen.
Später schloss er sich der Pariser Bohéme an, machte Schulden, hatte verschiedenste Verhältnisse und war sich sicher, dass er Dichter werden würde. Nach einer Reise die statt bis nach Indien nur bis Mauritius reichte ging er die Schriftstellerei systematischer an.

Neben politisch Engagierten Schriften und einer linken Zeitschrift übersetzte er verschiedene Werke des Amerikaners Edgar Allan Poe. 1957 brachte er seinen ersten Gedichtsammelband heraus. Der Band mit dem Namen „Die Blumen des Bösen“ enthielt über 100 Gedichte.

Darunter auch „Zweikampf“ und “Die Schönheit“, die wir verfilmt haben.

Zweikampf

Zwei Krieger kämpfen; ihre Waffen schwirren,
Von Blut und Funken ist die Luft durchsprüht.
Der Schrei der Jugend, die in Liebe glüht,
Ist dieses Spiel, dies laute Waffenklirren.

Die Schwerter und die Jugend sind zersplittert!
Der scharfe Nagel und der Zahn, mein Lieb,
Sind was an Dolch und Degens Statt uns blieb.
O reifer Herzen Wut, von Lieb’ erbittert!

In jene Schlucht, drin Luchs und Panther wüten,
Versanken unsere Helden kampfesbleich,
Und an den Sträuchern hängt ihr Fleisch wie Blüten.

In diese Hölle, unsrer Freunde Reich,
Lass, Grausame, uns reulos niedergleiten,
Dass unser Hass durchglüh’ die Ewigkeiten!

Die Schönheit

Ihr menschen · ich bin schön · ein traum von stein!
Mein busen der zu blutigen küssen treibt:
Dem dichter flösst er eine liebe ein
Die stumm ist wie der stoff und ewig bleibt.

Ich bin die sfinx die keiner noch erfasst ·
Die herz von schnee und schwanenkleid vereint ·
Die jedes rücken an den linien hasst –
Ich habe nie gelacht und nie geweint.

Die dichter all vor meinem grossen wesen
– An stolzen bauten scheint es abgelesen –
Zerquälen ständig sich in strengen schulen.
Für sie besitz ich · die gefügen buhlen ·
Wo alles schöner spiegelt · eine quelle:
Mein aug · mein weites aug von ewiger helle.

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moving lyric die elfte: Uncertainty

17.04.2010

„Uncertainty“ ist ein Gedicht des Polen Adam Mickiewicz. Das Gedicht des wichtigsten polnischen Autors der Romantik handelt von der Unsicherheit in der Beziehung zu einem Menschen.

Diese Unsicherheit soll durch die Aufnahmetechnik in Einzelbildern noch hervorgehoben werden.

Die Erstausstrahlung findet am Sonntag um 21.45 statt zu sehen unter anderem am okto webstream

While I don’t see you, I don’t shed a tear
I never lose my senses when you’re near,
But, with our meetings few and far between
There’s something missing, waiting to be seen.
5 Is there a name for what I’m thinking of?
Are we just friends? Or should I call this love?

As soon as we have said our last good-byes,
Your image never floats before my eyes;
But more than once, when you have been long gone,
10 I seemed to feel your presence linger on.
I wonder then what I’ve been thinking of.
Are we just friends? Or should I call this love?

When I’m downcast, I never seek relief
By pouring out my heart in tales of grief;
15 Yet, as I wander aimlessly, once more
I somehow end up knocking at your door;
What brought me here? What am I thinking of?
Are we just friends? Or should I call this love?

I’d give my life to keep you sound and well,
20 To make you smile, I would descend to hell;
But though I’d climb the mountains, swim the seas
I do not look to be your health and peace:
Again I ask, what am I thinking of?
Are we just friends? or should I call this love?

25 And when you place your hand upon my palm,
I am enveloped in a blissful calm,
Prefiguring some final, gentle rest;
But still my heart beats loudly in my breast
As if to ask: what are you thinking of?
30 Are you two friends? or will you call this love?

Not bardic spirit seized my mortal tongue
When I thought of you and composed this song;
But still, I can’t help wondering sometimes:
Where did these notions come from, and these rhymes?
35 In heaven’s name, what I was dreaming of?
And what had inspired me? Friendship or love?

Weitere Informationen und videos:

http://en.wikipedia.org/wiki/Adam_Mickiewicz

http://www.culture.pl/de/culture/artykuly/os_mickiewicz_adam

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moving lyric die zehnte: Der trojanische Herd

26.03.2010

Die zehnte Sendung zeigt eine Besonderheit: Die Verfilmung eines Gedichts dessen Autor lebt. Das Gedicht ist für unsere Sendung geschrieben und wird bei moving lyric seine Urausstrahlung/aufführung erleben. Der Autor, Konstantin Hondros wurde 1985 in Wien geboren.

Über das Gedicht schreibt er:„ich versuche mit dem gedicht unsere illusion einer raum/zeit distanz zu gewalt auf verschiedenen ebene zu relativieren. ein weiteres anliegen war sicher das, eine person mit eher geringem epischen gehalt in einem furchtbaren bild zu zeigen. hekabe als sinnbild derer, von denen man gemeinhin nichts hört.
da ich seit langem mit der filmemacherin befreundet bin, wollte ich ihr gerne ein gedicht zur verfügung stellen, das themen behandelt, die ihr am herzen liegen. die idee zur sendung überhaupt etwas beizutragen entstand aus dem wunsch nicht nur große gedichte alter meister verfilmt zu wissen.“

der trojanische herd
gebeugt sich vor griechischen mächten
stöhnt troja das todkranke pferd
ebenso muss sich erbrechen
hekabe am einsamen herd
weine nicht kleine hekabe
weil nächtlich so mancher tief schlief
sie waren so müd vom gelage
selbst statuen standen schon schief
alleine ist sie geblieben
schweißnass am blutigen mann
verlieren sich heute die lieben
im tagtraum dem verhassten wahn
die blüte tödlich vertrocknet
brennt nicht nur der ofen zu heiß
auf schultern des sohnes hockend
winkt fernab dein männchen so leis
heute ist niemals mehr morgen
der atem ganz kalt und zu still
viele sind leichthin gestorben
wenn irgendwo jemand das will
schlaf noch nicht kleine hekabe
weil niemand heut nacht nach dir rief
das gesicht zeigt deine gabe
ein lächeln entdeckt sich mir tief
später
zukunft verhallt nicht im alt-ich
wiederkehr steigert die furcht
lebt leise in leichtheit und pracht
auf sparsamer flamme so sacht
bis sie mit anhieb erwacht
denn fast ist´s als malt sich
zu gerne die ähnliche frucht

Zur Interpretation des Gedichts meint Rosalie Hübl, die in dieser Folge Regie geführt hat, dass diejenigen, die Kriege planen, im Regelfall nicht die sind, die selbst im Krieg sterben. Sie hat die verschiedenen Spielbretter als Symbole für die verschiedenen Strategien von Krieg verwendet. Mit der Entscheidung, dass die Charaktere nicht nur ein Spiel spielen, wollte sie hervorheben, dass es nicht um einen bestimmten Krieg sondern um Krieg als solches geht.
Dass das Spiel einer/eines danebensitzenden Schauspielerin/s immer stoisch, fast phlegmatisch ist, erklärt sie damit, das es in Kriegen ebenso immer Nationen gibt, die zu- oder gar wegschauen.

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moving lyric, die neunte: Julius Caesar

17.01.2010

Vincenzo Camuccini (1773-1844) „Der Mord an Gaius Julius Caesar“

Shakespeares Drama „Julius Caesar“, geschrieben 1599.

Julian Turner als Brutus

Ob es Shakespeares Absicht war eine Rechtfertigung und ein Lob auf den Tyrannenmord zu schreiben ist unklar, da sich weder Caesar noch Brutus, der eigentliche Protagonist des Stücks als durch und durch gut hervorheben.

Florian Kern spielt Casca

Die von moving lyric bebilderte 3. Szene des ersten Akts beschreibt die Situation nachdem Caesar von Antonius dreimal die Königswürde angeboten wurde und er dreimal auf sie verzichtet hatte.

Julius Caesar, Act I, Scene 3

CASCA. You pull’d me by the cloak; would you speak with me?
BRUTUS. Ay, Casca, tell us what hath chanced today
That Caesar looks so sad.
CASCA. Why, you were with him, were you not?
BRUTUS. I should not then ask Casca what had chanced.
CASCA. Why, there was a crown offered him, and being offered him,
he put it by with the back of his hand, thus, and then the
people fell ashouting.
BRUTUS. What was the second noise for?
CASCA. Why, for that too.
CASSIUS. They shouted thrice. What was the last cry for?
CASCA. Why, for that too.
BRUTUS. Was the crown offered him thrice?
CASCA. Ay, marry, wast, and he put it by thrice, every time gentler
than other, and at every putting by mine honest neighbours
shouted.
CASSIUS. Who offered him the crown?
CASCA. Why, Antony.
BRUTUS. Tell us the manner of it, gentle Casca.
CASCA. I can as well be hang’d as tell the manner of it. It was
mere foolery; I did not mark it. I saw Mark Antony offer him a
crown (yet ’twas not a crown neither, ’twas one of these
coronets) and, as I told you, he put it by once. But for all
that, to my thinking, he would fain have had it. Then he offered
it to him again; then he put it by again. But, to my thinking, he
was very loath to lay his fingers off it. And then he offered it
the third time; he put it the third time by; and still as he
refused it, the rabblement hooted and clapped their chopped hands
and threw up their sweaty nightcaps and uttered such a deal of
stinking breath because Caesar refused the crown that it had
almost choked Caesar, for he swounded and fell down at it. And
for mine own part, I durst not laugh for fear of opening my lips
and receiving the bad air.
CASSIUS. But, soft, I pray you, what, did Caesar swound?

CASCA. He fell down in the marketplace and foamed at [the] mouth and was speechless.
BRUTUS. ‘Tis very like. He hath the falling sickness.
CASSIUS. No, Caesar hath it not, but you, and I,
And honest Casca, we have the falling sickness.
CASCA. I know not what you mean by that, but I am sure Caesar fell
down. If the tagrag people did not clap him and hiss him
according as he pleased and displeased them, as they use to do
the players in the theatre, I am no true man.
BRUTUS. What said he when he came unto himself?
CASCA. Marry, before he fell down, when he perceived the common
herd was glad he refused the crown, he plucked me ope his doublet
and offered them his throat to cut. An had been a man of any
occupation, if I would not have taken him at a word, I would I
might go to hell among the rogues. And so he fell. When he came
to himself again, he said, if he had done or said anything amiss,
he desired their worships to think it was his infirmity. Three or
four wenches where I stood cried, “Alas, good soul!” and forgave
him with all their hearts. But there’s no heed to be taken of
them; if Caesar had stabbed their mothers, they would have done
no less.
BRUTUS. And after that he came, thus sad, away?
CASCA. Ay.
CASSIUS. Did Cicero say anything?
CASCA. Ay, he spoke Greek.
CASSIUS. To what effect?
CASCA. Nay, an I tell you that, I’ll ne’er look you i’ the face
again; but those that understood him smiled at one another and
shook their heads; but for mine own part, it was Greek to me. I
could tell you more news too: Marullus and Flavius, for pulling
scarfs off Caesar’s images, are put to silence. Fare you well.
There was more foolery yet, if could remember it.
CASSIUS. Will you sup with me tonight, Casca?
CASCA. No, I am promised forth.
CASSIUS. Will you dine with me tomorrow?
CASCA. Ay, if I be alive, and your mind hold, and your dinner worth
the eating.
CASSIUS. Good, I will expect you.
CASCA. Do so, farewell, both. Exit.
BRUTUS. What a blunt fellow is this grown to be!
He was quick mettle when he went to school.
CASSIUS. So is he now in execution
Of any bold or noble enterprise,
However he puts on this tardy form.
This rudeness is a sauce to his good wit,
Which gives men stomach to digest his words
With better appetite.
BRUTUS. And so it is. For this time I will leave you.
Tomorrow, if you please to speak with me,
I will come home to you, or, if you will,
Come home to me and I will wait for you.
CASSIUS. I will do so. Till then, think of the world.
Exit Brutus.
Well, Brutus, thou art noble; yet, I see
Thy honorable mettle may be wrought
From that it is disposed; therefore it is meet
That noble minds keep ever with their likes;
For who so firm that cannot be seduced?
Caesar doth bear me hard, but he loves Brutus.
If I were Brutus now and he were Cassius,
He should not humor me. I will this night,
In several hands, in at his windows throw,
As if they came from several citizens,
Writings, all tending to the great opinion
That Rome holds of his name, wherein obscurely
Caesar’s ambition shall be glanced at.
And after this let Caesar seat him sure;
For we will shake him, or worse days endure. Exit.

Weiterführende Links:

http://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Caesar_(Begriffsklärung)

http://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Cäsar_(Drama)

http://en.wikipedia.org/wiki/Julius_Caesar_(play)

http://de.wikipedia.org/wiki/Gaius_Iulius_Caesar

http://www.william-shakespeare.de/julius_caesar/julius_caesar_1.htm (Deutsche Übersetzung des Stücks)

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Moving lyric, die achte: An einen dichtenden Freund

04.12.2009

Gerade 15* dürfte Alexander Puschkin gewesen sein, als sein Gedicht „An einen dichtenden Freund“ von einer der, im zaristischen Russland der späten Herrschaft Alexander des I. progressivsten Zeitschriften, des Vestnik Evropy (Europas Bote) abgedruckt wurde.

In dem Gedicht machte sich Alexander wohl über einen oder mehrere seiner Mitschüler im
Lyzeum in Zarskoe Selo lustig, die viel über die Dichtung redeten und vom Geld und vom Ruhm schwärmten, den ihnen ihre Werke einbringen würden.

1814
An einen dichtenden Freund

1    Arist, du drängst dich auch zum Musenpriesterreigen?
Du willst den Pegasus, den störrigen, besteigen?
Gefahrvoll ist der Weg, drauf du nach Lorbeern jagst,
Erbarmlos die Kritik, der du zu trotzen wagst!
5    Papier und Federkiel und Tinte – fort mit ihnen!
Vergiss den Bach, den Hain, die Gräber, die Ruinen,
Glüh nicht im Liebeslied mit kaltem Wortesschwall,
Verlass den hohen Berg – sonst kommst du tief zu Fall!
Genug schon ohne dich gibt’s Dichter auf der Erden,
10    Die, kaum gedruckt, alsbald verlacht, vergessen werden!
Auch jetzt vielleicht, entflohn dem eitlen Menschentand,
Knüpft für die Ewigkeit der Aftermuse Band
Ein Dichterling, erfleht Minervens Schutzägide
Und zeugt zum zweitenmal uns die Telemachide.
15    Zur Warnung diene stets der Reimer Schicksal dir,
Die uns durch Versewucht zu Boden drücken schier.
Die Nachwelt schätzt gerecht im Tadeln und im Loben:
Trägt Lorbeern der Parnass, so giebt’s auch Nesseln droben!
Du geizest nur nach Ruhm? Doch wenn Apoll vernimmt,
20    Dass auch dein dreister Fuss den Helikon erklimmt,
Die Locken schüttelt grimm zu deinem Frevelmute
Und heilsam dein Talent belohnt – mit einer Rute?

Doch wie? Du furchst die Stirn und sprichst: „Ich bitte dich!
Du sprichst umsonst: Dein Rat ist mir nicht förderlich!
25    Denn nimmer änd’r ich das, was ich beschlossen habe -
Die ? Ist erwählt! Apollos Weihegabe!
Wenn Unrecht auch an mir die ganze Welt begeht -
Schilt, schreie, zürne mir: Ich war und bin Poet!“

Arist, wer Reime klebt, ist lange noch kein Dichter -
30    Ein Federkratzer ist’s und ein Papiervernichter!
Zu einem guten Vers bedarf’s mehr Müh und Pein,
Als beim Franzosensieg gehabt hat Wittgenstein.
Dershawin, Dimitrijew und Lomonossow leben
Unsterblich, weil sie uns belehren und erheben;
35    Sie sind der Russen Stolz! Und tausend Büchern droht
Bei der Geburt bereits ein wohlverdienter Tod.
Die Werke Reimerlings und Bibrus’, Schreiberows -
Sie faulen allgemach im Laden Glasunows.
Den Unsinn liest kein Mensch – als warnendes Exempel
40    Drückt ihnen Phöbus auf des ewigen Fluches Stempel!

Gesetzt, den Gipfel hast des Pindus du erklommen
Und deinen Dichterruhm verdienest du vollkommen,
So dass mit Hochgenuss dich liest ein jedermann:
Glaubst du, mein Freund Arist, ein Goldstrom werde dann
45    In deine Taschen sich als hohe Flut ergießen,
Den du in Truhen nur brauchst sorgsam zu verschließen,
Um zu ergötzen dich bei Tage und bei Nacht?
Ein ganzes Königreich nimmst du wohl gar nicht Pacht?
Ach, Dichter hausen nicht in marmornen Gemächern!
50    Nein, tief im Erdgeschoss, hoch unter Giebeldächern
Erträumen sie sich oft den glänzenden Palast
Und kommen doch dabei auf keinen grünen Ast!
Vom Dichter macht die Welt gar oft ein großes Wesen -
Doch nur vom Redakteur wird er zumeist gelesen!
55    Fortunas Rad rollt stets am Dichter nur seitab.
Nackt kam zur Welt Rousseau und nackt stieg er ins Grab;
Oft teilte Camoes Des letzten Bettlers Bette;
Vergessen starb Rostrow auf ärmster Lagerstätte,
Von fremden Händen ward er klanglos eingescharrt -
60    Als Not hat sie ihr Los, ihr Ruhm als Traum genarrt!

Es scheint, mein lieber Freund, ich trieb dich in die Enge.
Doch, du entgegnest mir: „Du urteilst ja so strenge!
Spürst allenthalb herum nach der Vernunftmoral
Und rügst die Poesie, mein neuer Juvenal!
65    Und selbst? Zerfallen mit Apollos hehren Schwestern,
Willst du in Versen nun mich, den Genossen, lästern?
Was ist mit dir geschehn? Wist du nicht recht gescheit?“

Arist, in Kürze geb ich dir hiermit Bescheid:
Es lebte mal ein Pop in einem Dorf. Zum Freunde
70    Hatt’ er wie Jung, so Alt der ganzen Pfarrgemeinde;
Er war vom Glück geliebt, nahm sich der Armen an
Und galt seit Alters her für einen weisen Mann.
Einst nippte er zu viel auf einem Hochzeitschmause.
Spät lenkt er, stillbeglückt, den schwanken Schritt nach Hause;
75    Da, sieh, entgegen just kam ihm ein Bäuerlein.
„O Väterchen – sprach er – der Teufel steckt im Wein,
Wie du uns stets gewarnt, der Leib und Seele schädigt;
Stets gaben wir uns Müh, zu tun nach deiner Predigt -
Doch jetzt erleuchte mich: Du bist ja selber heut …“
80    Da sprach zum Bäuerlein der Pop: „Ihr lieben Leut,
Verfolget jederzeit, was euch mein Wort geraten,
Allein ein Beispiel nehmt euch nie an meinen Taten!“

Dieselbe Antwort, Freund, muss ich dir geben nun,
85    Denn leider widerspricht mein Reden meinem Tun …
Beglückt, wem nimmer steht nach Reimen das Verlangen,
Wer still sein Leben führt mit vollen, roten Wangen,
Wer nicht Journale quält mit seiner Poesie
Und tagelang nicht hockt an einem Impromptu!
90    Nicht naht er dem Parnass, er flieht der Musen Reigen,
Will nicht den Pegasus, den feurigen, besteigen,
Ramakows Feder ist für ihn kein Interpret -
Denn dieser Glückliche, Arist, ist kein Poet! …

Doch nun ist’s hohe Zeit, dass ich den Schluss beeile,
95    Sonst stirbst du, lieber Freund, mir noch vor Langeweile!
Du hast nun meinen Rat. Dir überlass ich’s ganz,
Ob du den Frieden wählst, ob einen Lorbeerkranz.
Bedenke alles wohl und, wie du willst, so tue -
Der Ruhm macht glücklich uns, doch glücklicher die Ruhe!

* Es war uns leider nicht möglich das Erscheinungsdatum der 13. Ausgabe des Vestnik Evropy herauszufinden daher ist uns nicht klar, ob Puschkin damals 14 oder 15 gewesen ist.

Weiterführendes:

http://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Sergejewitsch_Puschkin

http://www.uni-potsdam.de/u/slavistik/vc/rlmprcht/schule/index_deutsch.htm

Artikel über die Zeitschrift „Vestnik Evropy“ (Europas Bote), die das Gedicht abdruckte:

http://mesharpe.metapress.com/app/home/content.asp?referrer=contribution&format=2&page=1&pagecount=0

1803 gedruckte Beschreibung des Magazins:

http://zs.thulb.uni-jena.de/receive/jportal_jparticle_00022714

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moving lyric, die siebte: die bürgschaft

09.10.2009

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Friedrich Schillers schrieb seine Ballade „die Bürgschaft“ 1798. Ein Detail an seiner Schöpfung, die im übrigen wohl von der Spätmittelalterlichen Erzählung „Vom getreuen Halten eines Versprechens“ inspiriert sein dürfte, ist wohl besonders hervorzuheben:

- Die Ballade ist im deutschen Sprachraum eines der bekanntesten lyrischen Werke, das in den meisten Klassen aller allgemeinbildenden höheren Schulen unterrichtet wird

Kurz zusammengefasst geht es um Damon (oder in frühen Versionen Mösos genannt), der versucht den Tyrannen Dyonis umzubringen. Dieser kündigt an, ihn dafür kreuzigen zu wollen, gibt ihm aber noch Zeit, dass Damon seine Schwester vermählt. Als Pfand bzw. Bürgen nimmt Dionys einen Freund Damons in Gefangenschaft, der falls Damon nicht wieder erscheint als Gefangenen.

Zur Überraschung des Tyrannen erscheint Damon, nach langer, hochstrapaziöser Reise gerade noch rechtzeitig wieder in Syrakus und da erbarmt sich der Tyrann und bittet um die Freundschaft des Bürgen und Damons.

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Die Bürgschaft

 

Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich
Damon, den Dolch im Gewande:
Ihn schlugen die Häscher in Bande,
»Was wolltest du mit dem Dolche? sprich!«
Entgegnet ihm finster der Wüterich.
»Die Stadt vom Tyrannen befreien!«
»Das sollst du am Kreuze bereuen.«

»Ich bin«, spricht jener, »zu sterben bereit
Und bitte nicht um mein Leben:
Doch willst du Gnade mir geben,
Ich flehe dich um drei Tage Zeit,
Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit;
Ich lasse den Freund dir als Bürgen,
Ihn magst du, entrinn’ ich, erwürgen.«

Da lächelt der König mit arger List
Und spricht nach kurzem Bedenken:
»Drei Tage will ich dir schenken;
Doch wisse, wenn sie verstrichen, die Frist,
Eh’ du zurück mir gegeben bist,
So muß er statt deiner erblassen,
Doch dir ist die Strafe erlassen.«

 

Und er kommt zum Freunde: »Der König gebeut,
Daß ich am Kreuz mit dem Leben
Bezahle das frevelnde Streben.
Doch will er mir gönnen drei Tage Zeit,
Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit;
So bleib du dem König zum Pfande,
Bis ich komme zu lösen die Bande.«

Und schweigend umarmt ihn der treue Freund
Und liefert sich aus dem Tyrannen;
Der andere ziehet von dannen.
Und ehe das dritte Morgenrot scheint,
Hat er schnell mit dem Gatten die Schwester vereint,
Eilt heim mit sorgender Seele,
Damit er die Frist nicht verfehle.

Da gießt unendlicher Regen herab,
Von den Bergen stürzen die Quellen,
Und die Bäche, die Ströme schwellen.
Und er kommt ans Ufer mit wanderndem Stab,
Da reißet die Brücke der Strudel herab,
Und donnernd sprengen die Wogen
Dem Gewölbes krachenden Bogen.

Und trostlos irrt er an Ufers Rand:
Wie weit er auch spähet und blicket
Und die Stimme, die rufende, schicket.
Da stößet kein Nachen vom sichern Strand,
Der ihn setze an das gewünschte Land,
Kein Schiffer lenket die Fähre,
Und der wilde Strom wird zum Meere.

Da sinkt er ans Ufer und weint und fleht,
Die Hände zum Zeus erhoben:
»O hemme des Stromes Toben!
Es eilen die Stunden, im Mittag steht
Die Sonne, und wenn sie niedergeht
Und ich kann die Stadt nicht erreichen,
So muß der Freund mir erbleichen.«

Doch wachsend erneut sich des Stromes Wut,
Und Welle auf Welle zerrinnet,
Und Stunde an Stunde ertrinnet.
Da treibt ihn die Angst, da faßt er sich Mut
Und wirft sich hinein in die brausende Flut
Und teilt mit gewaltigen Armen
Den Strom, und ein Gott hat Erbarmen.

Und gewinnt das Ufer und eilet fort
Und danket dem rettenden Gotte;
Da stürzet die raubende Rotte
Hervor aus des Waldes nächtlichem Ort,
Den Pfad ihm sperrend, und schnaubert Mord
Und hemmet des Wanderers Eile
Mit drohend geschwungener Keule.

»Was wollt ihr?« ruft er vor Schrecken bleich,
»Ich habe nichts als mein Leben,
Das muß ich dem Könige geben!«
Und entreißt die Keule dem nächsten gleich:
»Um des Freundes willen erbarmet euch!«
Und drei mit gewaltigen Streichen
Erlegt er, die andern entweichen.

Und die Sonne versendet glühenden Brand,
Und von der unendlichen Mühe
Ermattet sinken die Kniee.
»O hast du mich gnädig aus Räubershand,
Aus dem Strom mich gerettet ans heilige Land,
Und soll hier verschmachtend verderben,
Und der Freund mir, der liebende, sterben!«

Und horch! da sprudelt es silberhell,
Ganz nahe, wie rieselndes Rauschen,
Und stille hält er, zu lauschen;
Und sieh, aus dem Felsen, geschwätzig, schnell,
Springt murmelnd hervor ein lebendiger Quell,
Und freudig bückt er sich nieder
Und erfrischet die brennenden Glieder.

Und die Sonne blickt durch der Zweige Grün
Und malt auf den glänzenden Matten
Der Bäume gigantische Schatten;
Und zwei Wanderer sieht er die Straße ziehn,
Will eilenden Laufes vorüber fliehn,
Da hört er die Worte sie sagen:
»Jetzt wird er ans Kreuz geschlagen.«

Und die Angst beflügelt den eilenden Fuß,
Ihn jagen der Sorge Qualen;
Da schimmern in Abendrots Strahlen
Von ferne die Zinnen von Syrakus,
Und entgegen kommt ihm Philostratus,
Des Hauses redlicher Hüter,
Der erkennet entsetzt den Gebieter:

»Zurück! du rettest den Freund nicht mehr,
So rette das eigene Leben!
Den Tod erleidet er eben.
Von Stunde zu Stunde gewartet’ er
Mit hoffender Seele der Wiederkehr,
Ihm konnte den mutigen Glauben
Der Hohn des Tyrannen nicht rauben.«

MOLY_diebuergschaft_16_9_03

 

»Und ist es zu spät, und kann ich ihm nicht,
Ein Retter, willkommen erscheinen,
So soll mich der Tod ihm vereinen.
Des rühme der blut’ge Tyrann sich nicht,
Daß der Freund dem Freunde gebrochen die Pflicht,
Er schlachte der Opfer zweie
Und glaube an Liebe und Treue!«

Und die Sonne geht unter, da steht er am Tor,
Und sieht das Kreuz schon erhöhet,
Das die Menge gaffend umstehet;
An dem Seile schon zieht man den Freund empor,
Da zertrennt er gewaltig den dichter Chor:
»Mich, Henker«, ruft er, »erwürget!
Da bin ich, für den er gebürget!«

Und Erstaunen ergreifet das Volk umher,
In den Armen liegen sich beide
Und weinen vor Schmerzen und Freude.
Da sieht man kein Augen tränenleer,
Und zum Könige bringt man die Wundermär’;
Der fühlt ein menschliches Rühren,
Läßt schnell vor den Thron sie führen,

Und blicket sie lange verwundert an.
Drauf spricht er: »Es ist euch gelungen,
Ihr habt das Herz mir bezwungen;
Und die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn -
So nehmet auch mich zum Genossen an:
Ich sei, gewährt mir die Bitte,
In eurem Bunde der dritte!«

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die gedichtsendung

die gedichtsendung

Weiterführendes:

http://mein.salzburg.com/blog/wirtschaft/2009/06/die-burgschaft—fur-opel-erda.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Bürgschaft

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moving lyric, die sechste: Ödipus der König

04.09.2009

Ödipus der Köni ist eine klassische griechische Dichtung von Sophokles in der er das Leben und Leiden des Königssohns Ödipus beschreibt.

Nachdem ein Orakel Ödipus Eltern prophezeit hat, dass ihr Sohn seinen Vater ermorden und seine Mutter ehelichen wird, beauftragen diese einen Hirten mit dessen Aussetzung. Nun tut dem Hirten das kleine Kind leid und er übergibt es befreundeten Hirten in Korinth – über diesen gelangt das Kind zum Königspaar Polybos und Merope von Korinth, das ihn adoptiert.

Ohne Wissen über seine Herkunft wächst Ödipus bei seinen Zieheltern auf. Als Junger Mann erfährt er bei einem Fest seiner Eltern von einem Alkoholisierten, dass er nicht der leibliche Sohn des korithischen Königspaares ist und auf nachfrage bei einem Orakel erfährt er dass er seine Eltern töten werde.

Bestürzt entflieht Ödipus dem Hof seiner Zieheltern um seinem Schicksal entfliehen zu können… Unsere Sendung setzt an, nachdem Ödipus sich mit seiner Mutter Haarnadel die Augen aufgestochen hat.

Gute Unterhaltung mit der sechsten Folge

wünscht

das molving lyric-Sendungsteam

Weiterführendes findet ihr unter:

http://de.wikipedia.org/wiki/Sophokles

http://gutenberg.spiegel.de/?id=19&autorid=556&autor_vorname=&autor_nachname=Sophokles&cHash=b31bbae2c6

http://www.zeno.org/Literatur/M/Sophokles

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moving lyric, die fünfte: Der Bergmann

08.07.2009

Der Bergmann ist ein Gedicht des Norwegers Henrik Ibsen in dem er einerseits romantisierend die Arbeit unter Tage beschreibt und andererseits die Arbeitsbedingungen beklagt.

(zu sehen am 12.7. um 21:00, a,m19.7. um 21:05 und am 26.7. um 21:20, bzw. http://okto.tv/programm/ )

Der Bergmann

Der Bergmann

Fels, birst weiter, Tag um Tag!
Dröhnend fällt mein Hammerschlag.
In die Tiefe muß ich dringen,
Bis mir ihre Erze klingen.

In der Berge stummem Schoß
Liegen reiche Schätze bloß,
Krondemanten, Edelsteine,
Goldgeäst von rotem Scheine.

Friede herrscht dort weit und breit,
Fried’ und Ruh’ seit Ewigkeit; –
Brich den Weg mir, schwerer Hammer,
Zu des Berges Herzenskammer!

Der Bergmann

Saß als Knab’ einst, lustgeschwellt,
Unter Gottes Sternenzelt,
Zog einher auf Frühlingswegen,
In der Brust der Unschuld Segen.

Doch im mitternächtigen Schacht
Ward ich fremd des Tages Pracht,
In der Grube Tempelgängen
Fremd der Erde heitren Klängen.

Damals, als ich niederstieg,
Glaubt’ ich noch, ein Kind, an Sieg,
Glaubte, daß der Rätsel Fülle
Abgrundgeisterwort enthülle.

Noch hat keiner mich belehrt
Über das, was mich verzehrt,
Noch kein Blitz die Nacht durchschossen,
Der die Tiefen hätt’ erschlossen.

War’s ein Irrtum? Führte nicht
Dieser Weg zum rechten Licht?
Ach, mein Blick wird ja geblendet,
Forscht er, himmelan gewendet.


Nein, hinab, wo weit und breit
Friede herrscht seit Ewigkeit,
Brich den Weg mir, schwerer Hammer,
Zu des Berges Herzenskammer! –

Hammerschlag auf Hammerschlag
Bis zum letzten Lebenstag.
Keines Hoffnungsmorgens Schimmer;
Tiefe, tiefe Nacht auf immer!

Der Bergmann

Viel Spaß mit der fünften Folge

wünscht

das moving lyric-team

Weiterführende Links:

http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=3880&kapitel=1#gb_found (Gedichte von Ibsen)

http://de.wikipedia.org/wiki/Ibsen (Wikipedia über Ibsen)

http://www.ibsen.net/ (Ibsen-Museum Oslo)

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