Menschen in Städten am Wasser: # 30

NEUER SENDEPLATZ! Montag, 20.30

Auf zur Zweiten Welt beim Steirischen Herbst in Graz: WHW, die wir schon von der 11. Istanbul Biennale kennen, haben diese Ausstellung kuratiert. Wir steigen in den Keller mit Arschlochwelt von Zigaretten Rauchen

Und:

Ein Sommer-Interview mit Petja Dimitrova, in dem sie das Buch Migrationsskizzen vorstellt,

wir schlendern die Istiklal caddesi in Beyoglu entlang, mit Musik von Teoman: Rapsodi Istanbul,

und schliesslich unsere Analyse der 12. Istanbul Biennale: Isimsiz, die Namenlose, kuratiert von Jens Hoffmann und Adriano Pedrosa. Großartige Kunst, hoffnungslos im White Cube gefangen.

Ab 31. Oktober, wie immer weltweit auf okto.

Sendungstext

Menschen in Städten Nummer dreißig, wir sind erwachsen geworden. Diesmal „Menschen in Städten am Wasser“ – die Städte gehen ja langsam aus dem Leim, so wie Istanbul. Auch heuer waren wir wieder zu Gast in der Gold-Rausch Stadt am Bosporus, sind die Istiklal-Strasse hin- und hergehatscht, und zur Biennale abgetaucht.

Wir waren allerdings auch in Graz, der Stadt an der grünen Mur, und haben uns die Zweite Welt beim „Stairischn Herbst“ angeschaut.

Zunächst aber zu Gast bei uns: Petja Dimitrova. Sie stellt das Buch „Migrationsskizzen“ vor. (…) Das war Petja Dimitrova bei „Menschen in Gärten“, mit freundlicher Unterstützung von Raben, Krähen, und Kater Kedi.

Und jetzt weg, weg von Wien, weg von der Donau, an den schönen Bosporus. Diese Meeresstrasse, die Verbindung von Asien und Europa, wird täglich von X Öltankern durchquert, während zahllose kleine Personenfähren emsig von Ufer zu Ufer düsen.

Und bevor wir in die alten Lagerhallen zur Biennale schwenken, noch ein paar Buidln von Istiklal Caddesi, der „Unabhängigkeits“-Strasse, im Stadtteil Beyoglu.

Heuer findet die 12. Istanbul Biennale in den sanierten Hafengebäuden Antrepo No. 3 und No. 5 statt, am Bosporus, wo unübersehbar die Kreuzfahrtschiffe ankern.

Hier sind wir schon bei ISIMSIZ, der „Namenlosen“ 12. Istanbul Biennale. Damit beziehen sich die Kuratoren Jens Hoffmann und Adriano Pedrosa auf Felix Gonzales-Torres, dessen Arbeiten oft „untitled“ heißen.

Hier das Kuratoren-Duo bei der Pressekonferenz.

Auch den fünf Themenblöcken geben Gonzales-Torres’ Werke ihren Namen.

Sie heißen Untitled (Abstraction), Untitled (Passport), Untitled (History), Untitled (Death By Gun), und Untitled (Ross).

Ross Laycock war Gonzales-Torres’ Partner, der 1991 an AIDS starb, für ihn hat er alle Arbeiten gemacht, auch über ihn, etwa die candy pieces.

Bei der Istanbul Biennale ist dieser Themenblock, gay-queer, mit seinen familien- und liebeszentrierten Arbeiten altbacken –, so ist zum Beispiel AIDS/HIV in der Kunst gar kein Thema, und auch nicht die aktuelle Situation, in Afrika oder Asien.

Pedrosa und Hoffmann wollen den sterilen Ansatz ungebrochen durchziehen. Und ganz im Sinne der white-cube Ideologie als Raum-Macht, geht es ihnen darum, die Konkurrenz mit weiteren Anregungen und Themen, und mit ungebetenen Zusammenhängen zu vermeiden.

So ist heuer der Aspekt der Reibung, der Auseinandersetzung mit der Stadt und globalen Verhältnissen, und die sogar manchmal provokante Ausrichtung dieser Großveranstaltung verloren gegangen. Erst die nächste Istanbul Biennale wird zeigen, ob die aktuelle Schau nur ein Ausrutscher in die abgehobene Welt des white cubes ist, oder die weitere Richtung der Bienal hin zu einer „braven Neuen Welt“ vorgibt.

Und damit haben wir schon lange genug g’scheit daherg’redt. Auf nach Graz an der schönen Mur, und runter in den Keller, wo WHW – What How and for Whom aus Zagreb – ihre Ausstellung Zweite Welt zeigen. Gute Reise und auf Wiedersehen bei Menschen in Städten.