Archiv: May 2011

Menschen in Städten #28 – Menschen in Venedig

13.05.2011

Im Juli direkt vom Pferdemaul: Danila Mayer a.k.a. Iman Ithram berichtet Neues von der Venedig Biennale Nr. 54, IllumiNations, unter der Direktorinnenschaft von Bice Kuriger.

Wir sehen uns in Venedig um – Venedig, Seemacht, Kolonialmacht, Handelsplatz, Kunstwelthauptstadt.

Die Giardini sind der älteste Ausstellungsbereich der Biennale, mit Pavillons, 30 Stück, die zu unterschiedlichen Zeiten entstanden sind, in der Hochblüte des Imperialismus, während der Weltkriege, in postkolonialer Zeit. Den europäischen Kaiser- und Königsreichen folgen aussereuropäische Nationen, und auch dekolonialisierte Staaten.

Die Pavillons, und die anderen Ausstellungsorte der insgesamt 89 Nationen bilden eine eigene Repräsentation der Welt.

Iman Ithram produziert gerade ihre Video-Dokumentation “31 Pavillons”. Sie geht den 30 Ausstellungsgebäuden in den Giardini nach – und der 31. Pavillon? To be announced – mehr hier.

In den Giardini delle Vergine – den Jungferngärten – besuchen wir die Künstlergruppe Gelätin und ihre beeindruckende Arbeit “Some Like It Hot”! Diese Ecke der Biennale ist im Bereich des Arsenale, der Artiglerie, und der Corderie, der alten Seilzieherei.

In der Sendung sind alle Nationalpavillons in den Giardini zu sehen.

Die Kunstwerke und künstlerische Umgestaltung von Pavillons sind von

Diohandi (Beyond Reform, Griechischer Pavillon, verschalt und innen mit Wasser gefüllt);

Vesa-Pekka Rannikko (And all structures are unstable 2011; Neugestaltung des Pavillons von Alvar Aalto);

Kuratorinnenteam Christoph Schlingensief (Schriftzug am deutschen Pavillon; diverse Holzverschläge)

Markus Schinwald (Fassadengestaltung: hohe Mauer den Fassaden vorgelagert; innen Labyrinth eingebaut)

Anetta Mona Chisa und Lucia Tkacova (Performing History): 20 % of reasons not to be at the Venice Biennale/80 % of reasons to be at the Venice Biennale (Beschriftung auf den rechten und linken Flügelwänden des rumänischen Pavillons).

und Werke von

Ayse Erkmen: Plan B. Installation einer zuckerlbunten Wasseraufbereitungsanlage im Pavillon der Türkei im Arsenale

Shadia Alem und Raja Alem: The Black Arch im Pavillon von Saudi Arabien im Arsenale

Gelitin: Some Like It Hot. Glasschmelzofen in den Giardini delle Vergine (Jungferngärten) im Bereich des Arsenale. Die Künstlergruppe wurde von Bice Kuriger zur Biennale eingeladen; ursprünglich wollten sie den Ofen auf einer anderen Insel aufbauen.

eine Videoarbeit von Pipilotti Rist im Padiglione Centrale/Palazzo delle Esposizioni

Ion Grigorescu im rumänischen Pavillon

und 30 Days of Runnig in the Space von Ahmed Basiony, der heuer 31-jährig auf dem Tahrir-Platz in Kairo erschossen wurde.

Weiters in der Sendung:

eine Vaporetto-Fahrt auf dem Canal Grande, komplett mit singenden Gondoliere

Pipilotti Rist erklärt ihre Projektionen

die langen Hallen des Arsenale

und Miriam Makeba hat mit Pata Pata das letzte Wort

Literatur:

Fleck, Robert Die Biennale von Venedig. Eine Geschichte des 20. Jahrhunderts

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Menschen in Städten #27 – Dekonstruktionen

13.05.2011

In dieser Sendung gehen wir in die Ausstellung in der Kunsthalle Exnergasse:

Eine Arbeit die das, was sie reflektiert, nicht los wird. Auseinandersetzungen über Kontinuitäten und Brüche kolonialer, faschistischer und nazistischer Praktiken in Österreich.

Wir sind bei der Dekonstruktion von Themen, die in ihrem Zusammenwirken einen Querschnitt der jetzigen Lage in Österreich bieten. Die Arbeiten nehmen migrantische Widerstandspraktiken genauso in den Blick wie die tendenziöse Denkmalgestaltung, und die Diskriminierung von Roma. Das Auftreten gegen rassistische Schmierereien, aber auch Graffiti als politische Aktion. Ein Archiv der Verfolgung und Diskriminierung, und eine Dekonstruktion der kolonialen Grundlagen Österreichs. Ein Film, der eine Frau zeigt, deren ganzes Leben von der meist aussichtslosen Suche nach Aufenthaltsgenehmigungen eingeschränkt war.

Die Ausstellung wurde von Eduard Freudmann, Can Gülcü, Ivan Jurica, Petja Dimitrova, und Lina Dokuzovic entwickelt und kuratiert.

Idemo parku! Mit Ivan Jurica sprechen wir in einem Park am Wiener Gürtel. Seine Arbeit 1989 – 2009: Look Back! Boys from Town Healing the Grief of Beautiful Girls zeigt Repräsentationen von Roma, und den Schlagersänger Karol Duchon und den Erfolg seiner Lieder. Die Songs wurden zu unterschiedlichen Zeiten wieder aufgekocht, zuletzt in den 90er Jahren, als der neue Staat Slowakei dringend kulturelle Identifikationen suchte.

In der Ausstellung waren Arbeiten von Petja Dimitrova, Ivan Jurica, Can Gülcü, Eduard Freudmann und Ivana Marjanovic, Lina Dokuzovic, Ljubomir Bratic/Richard Ferkl, Christian Gangl, Nina Höchtl, kegnschtelik – Jiddischer Widerstand 3,0, maiz, Marcel Malis, MigrafonA, Katharina Morawek, Plattform Geschichtspolitik, Recherchegruppe zu Schwarzer österreichischer Geschichte und Gegenwart/Pamoja, Marika Schmiedt zu sehen.

Mehr zu den Filmen von Petja Dimitrova, Ivana Marjanovic/Eduard Freudmann siehe unten.

Das Musikvideo ist ein Rap von EsRaP: Ausländer mit Vergnügen heisst ihr Stück.

Zum Abspann spielen wir Miriam Makeba: Mama Ndiyalila. Die großartige Sängerin hat ihr Leben, ihre Karriere der Befreiung Südafrikas, und der ganzen Welt, vom unsäglichen Apartheid-Regime gewidmet.

Mit ihrer Musik protestieren Menschen in Städten gegen die Abschiebungen aus Österreich.

Ab 3. Juni täglich auf Okto.

Blue Card for Keti. Ein Video von Petja Dimitrova. View on:
http://www.petjadimitrova.net/werk/bluecard.html

Uglyville
A Contention of Anti-Romaism in Europe
by Eduard Freudmann and Ivana Marjanović
Serbia/Austria 2010, 58 min., English

The film is a critical analysis of the interrelation of racism
(i.e. anti-Romaism) and capitalism in so called New Europe
(Europe after 1989) but also an analysis of strategies of resistance
to its necropolitical governance.

The starting point for the film was the brutal demolition and fencing
of a Roma slum next to “Belville”, a residential area erected to
accommodate guests of the international sports event “Universiade
Belgrade 2009”. In the same time Serbia was holding the annually
rotating presidency of the “Roma Decade”, an international initiative
that tends to represent an “unprecedented political commitment by
European governments to improve the socio-economic status and social
inclusion of Roma”. For that year, one would expect Serbia to make
serious efforts towards improving the discriminated position of Roma
and decreasing the effects of a policy of anti-Romaism that has lasted
for centuries in the region. The opposite was the case: What we
witnessed was the total disregard of the Decade’s objectives
and even an intensification of discrimination by Belgrade authorities,
citizens and media. Seen from the perspective of post-coloniality and
the history of racism, this event appears to be a paradigmatic case of
anti-Romaism in contemporary EUrope. 

Credits

Uglyville
A Contention of Anti-Romaism in Europe
by Eduard Freudmann and Ivana Marjanović
Austria/Serbia 2010, 57 min., English/Serbian/German with English subtitles
produced by Kontekst and Kraja 

Uglyville - A Contention of Anti-Romaism in Europe is based on the text
"Contention of Anti-Romaism as a Part of the Process of the
Decoloniality of Europe" written by Ivana Marjanovic, extended,
edited and adapted by Eduard Freudmann and Ivana Marjanovic.

Dramaturgical adviser, script editor/proofreader: Lina Dokuzovic
Narrator: Ana Hoffner

Performers
Theorist: Ivan Jurica
Activist 1: Eduard Freudmann
Activist 2: Ivana Marjanovic

Camera operator, sound recordist, editor: Eduard Freudmann
Sound recording for narrator: Martin Riha
Sound editor: Martin Riha
Typographic design: Ramon Grendene
Background poster for theorist scene illustrated by Petja Dimitrova
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