Menschen in Städten # 25 – Drugs in Cities

HansChristian Dany und Max Hinderer sprechen anlässlich ihrer Sondernummer Drogen und Drogen des Heftes Kultur und Gespenster (Hamburg) mit Menschen in Städten und erläutern ihre Arbeit und einige der Beiträge im Heft.

HansChristian Dany, der 2008 seine Anthologie Speed. Eine Gesellschaft auf Droge bei Nautilus (Hamburg) herausbrachte, endet das Buch so:

“Es ist eine sehr nahe Zukunft, von der anzunehmen ist, dass Verbesserungsdrogen so normal sein werden wie heute Mobilfunktelefone – als Möglichkeit, seinen Körper den fremdbestimmten Anforderungen unterzuordnen. In dieser abhängigen und auf Abhängigkeit gebauten Gesellschaft gibt es, allen faszinierenden Möglichkeiten von Drogen zum Trotz, gute Gründe, nüchtern zu bleiben.” (Speed, Seite 181).

In Drogen und Drogen schreiben Dany/Hinderer:

“Das Recht auf Rausch zu fordern heißt bloß, am Wahnsinn der Normalität teilzuhaben. Was Drogen als solche auslösen, ist im Vergleich dazu eher aufgeräumter Natur.”

Über Selbstversuche, Überwachungsgesellschaften und die Intensität der Arbeit. Von Kliniken, Placebos, Chemotherapien, dem Individualisierungs- und Flexibilitäts-Normalismus, der Kontrolle von Sichtbarkeit, also über metaphysische Sozialisten und Junkies.

Mit Texten von John Barker, Charlotte Brandt, Hans-Christian Dany, Diedrich Diederichsen, Ines Doujak, Max Hinderer, Aldo Legnaro, Beatriz Preciado, Ramin Raissi, u.v.a.

Bildstrecken von Michael Deistler, Michael Glasmeier, Katrin Mayer und Annette Wehrmann.

Auszüge aus Dany/Hinderers Text Mittel & Wege:

“Genaugenommen nehmen wir selbstverständlich keine Drogen, sondern jeder tut es für sich allein. Gemeinschaftsgefühle kommen dabei genauso selten vor, wie sie auch in der Umgebung nur rar vorhanden sind.”

“Als Ziel der Drogennutzung setzt sich zunehmend durch, damit eine zur Norm erklärte Bringschuld erfüllen zu können. – Innerhalb dieser an den Einzelnen ausgelagerten Disziplinierung scheint es weniger ein Bedürfnis als eine Pflicht zu sein, Drogen zu nehmen. … Neutraler formuliert, handelt es sich um die Nutzung von Körpertechnologien aus einem erweiterten Warenangebot.”

“Längst sind aber auch die Schattenmärkte für Drogen in das gesellschaftliche Gefüge eingegliedert. Wo illegale Drogen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung beitragen können, gibt der Staat ihren Händlern und Verbrauchern den notwendigen Raum. … Sie (die Drogen) liefern Ersatz für den allgemeinen Mangel, den der perspektivlos schwankende Gesellschaftskörper nicht mehr liefern kann.”

“Wer bin ich? Was kann ich? Wie kann ich besser werden? Werde ich den Anforderungen der Gesellschaft genügen? Warum will ich mich bücken und weinen?”

“Deleuze vermutete, an die Stelle des eingeschlossenen Menschen würde in der Kontrollgesellschaft der ‘verschuldete Mensch’ treten. Neben der in Geld bezifferbaren Schulden lauert überall vor allem die schwer fassbare Schuld, nicht zu genügen. Ich habe Schuld, zu schwach zu sein, und es gibt kaum Instanzen, welche vom Gegenteil überzeugen können.”

“Für die Verbesserung, der ersten Schritt zur Entschuldung, müssen wir in Erfahrung bringen, was das optimal Verwertbare an uns ist. Jeder ahnt, was das Verwertbare an seinem Selbst sein könnte. Und an dessen Verwertung sollen alle lebenslänglich arbeiten und lernen. Arbeit heißt: es zu finden, die besondere Energie, das Talent, die Zugehörigkeit, den Unterschied oder den Wahnsinn der Wertschöpfung zu finden.”

Diedrich Diederichsens Buch: Eigennblutdoping. Selbstverwertung, Künstlerromantik, Partizipation. Kiepenheuer & Witsch, 2008.

Unsere Reflektionen dazu führen uns über die Beatles rund um die Welt: “because the world is round, it turns me on”.

Talking Heads

Und weil es die 25. Ausgabe der Sendung ist, blicken wir ab der # 26 auf all unsere Interviews zurück, die wir seit Jänner 2007 zusammengetragen haben, in unterschiedlicher Qualität und Länge, in vielen verschiedenen Städten, zu verschiedensten Themen, und von allen möglichen Leuten.

Brenda Tindal, Atlanta

Robinson Rauer, Ariane Müller Berlin

Nicolas Siepen, Frauke Gust Berlin

Farhad Varahram, Ariane Müller Wien

Roland Fischer-Briand Wien

Gina Gugic, Amina Handke, Manuel Conil

Nebi Bardoshi, Olsi Lelaj Tirana

Martina Reiter Wien

Eleonore Kleindienst Wien

Klaus Weber Sezession Wien

Stephan Geene, AKBild Wien

Ezgi Serdar Istanbul

Hr. Locsmandy Wien

Manfred Markart Wien

Nicolas Siepen Tromsö in Wien

Synne Genzmer Wien

Krizfader Wien

Walter Mignolo Duke University

HansChristian Dany und Max Hinderer, AKBild Wien