Menschen in Städten # 24 – Grenzen

In dieser Ausgabe sprechen Danila Mayer und Muzaffer Hasaltay mit Walter Mignolo. Unter dem Portrait der Maria Theresia diskutieren wir border thinking, de-linking, de-coloniality, endlich die Zeit nach der “Identität”, und Denken “without the other”. -

Walter Mignolo geht auf das Konzept des/der ‘Anderen’ ein, das er im Europa des 16. Jahrhunderts, der Renaissance, verortet. In den eroberten Gebieten ausserhalb Europas wurden die Menschen als ‘Andere’ klassifiziert, mit einer minderwertigen oder gar fehlenden Rationalität. Der Mensch war männlich, weiß, europäisch und christlich; rundherum wurden die dahinter zurückbleibenden ‘Anderen’ angeordnet.

Und der ‘andere Andere’, der schwarze Mann, begann mit Frantz Fanon zu denken – und damit verschwindet der ‘Andere’, denn wenn er/sie denken kann, gibt es keinen Anderen mehr.

Mignolo erwähnt David Laing (The Divided Self, 1960), Frantz Fanon (Black Skin, White Masks), den Aymarra-Theoretiker und Aktivisten Fausto Reinaga, und Sylvia Wynter: Unsettling the Coloniality of Being/Power/Truth/Freedom: Towards the Human, After Man, Its Overrepresentation–An Argument.

Identitätspolitik, als Instrument der Herrschaft, wird durch Identität in der Politik bekämpft, wie Walter Mignolo im Interview ausführt.

Der erkenntnistheoretische Vorteil des Sklaven, der Slavin, der Unterdrückten generell ist es, dass uns beide Arten des Denkens zugänglich sind, das des ‘masters’ und das der Sklaven. Dadurch ist es möglich, von der Grenze aus zu sprechen, und kein ‘Anderes’ nötig zu haben.

Weiter in der Sendung:

Baustellen, die Riesenbaustelle des zukünftigen Hauptbahnhofes, die alten Abrißbilder des schon historischen Südbahnhofes — dazu springt Captain Sensible von the Damned auf und ab und schreit ‘WOT’, und eine nochmalige ‘Begegnung am Südbahnhof’ mit Coskun Hasaltay und Dirk van Elst zeigt ein schiefgelaufenes Gespräch in den Alten Marmorhallen.

Rauf mit dem Lift, runter mit dem Lift, das Bahnorama ist schwindelerregend und bietet Ausblicke: wie immer, Baustellen wohin wir schauen.

Und übrigens, Walter Mignolo spricht auch von Fanon’s “damnés”, den Verdammten dieser Erde, the Damned, wie passend Captain Sensible da ist –