Menschen in Städten bei SOHO in Ottakring
12.04.2012
Unsere Sendung ist bei SOHO in Ottakring zu Gast und im Gschwandner (www.gschwandner.at) untergebracht.
Alle bis jetzt 31 Sendungen sind On Demand zu sehen. Das Programmheft (Grafik: Maziar Varahram) gibt’s für alle Interessierten dazu.
Ab 12. Mai 2012 bei SOHO in Ottakring!
Mit: Iman Ithram (Frau mit der Kamera), Danila Mayer, und Susanne Luschin mit ihrer Stimme und der Sendung “Senf TV”, sowie vielen Gästen aus unseren Sendungen.
Menschen in Städten # 31: Istanbul, Troja
07.02.2012
Iman Ithram steht am Bosporus und zeigt in die Gegend – Wohin? Nochmals in die neuen Lifestyle-Zonen der Istiklal Caddesi (begleitet von The Forest von Cure). Dann aber sucher wir Prof. Marion Meyer, Vorstand des Institut für Klassische Archäologie der Universität Wien, auf, die uns viel zu ihrem Fach und über Troja erzählt.
Unsere Bilder von der World Heritage Site Troja zeigen einen bemerkenswerten Ort mit ganz un-nervigem Flair.
Und mit dem Flug der Möwen über dem Goldenen Horn verabschiedet sich Menschen in Städten in eine Pause vom 2-monatigen Sendungsrhythmus. Wir melden uns mit Spezialausgaben zurück, die eher die Form des Experimentalen Filmens ausprobieren wollen. Geplant auf jeden Fall: Kunstmarkt in Istanbul und Uns bleibt immer noch Paris.
Menschen in Städten am Wasser: # 30
08.10.2011
NEUER SENDEPLATZ! Montag, 20.30
Auf zur Zweiten Welt beim Steirischen Herbst in Graz: WHW, die wir schon von der 11. Istanbul Biennale kennen, haben diese Ausstellung kuratiert. Wir steigen in den Keller mit Arschlochwelt von Zigaretten Rauchen
Und:
Ein Sommer-Interview mit Petja Dimitrova, in dem sie das Buch Migrationsskizzen vorstellt,
wir schlendern die Istiklal caddesi in Beyoglu entlang, mit Musik von Teoman: Rapsodi Istanbul,
und schliesslich unsere Analyse der 12. Istanbul Biennale: Isimsiz, die Namenlose, kuratiert von Jens Hoffmann und Adriano Pedrosa. Großartige Kunst, hoffnungslos im White Cube gefangen.
Ab 31. Oktober, wie immer weltweit auf okto.
Sendungstext
Menschen in Städten Nummer dreißig, wir sind erwachsen geworden. Diesmal „Menschen in Städten am Wasser“ – die Städte gehen ja langsam aus dem Leim, so wie Istanbul. Auch heuer waren wir wieder zu Gast in der Gold-Rausch Stadt am Bosporus, sind die Istiklal-Strasse hin- und hergehatscht, und zur Biennale abgetaucht.
Wir waren allerdings auch in Graz, der Stadt an der grünen Mur, und haben uns die Zweite Welt beim „Stairischn Herbst“ angeschaut.
Zunächst aber zu Gast bei uns: Petja Dimitrova. Sie stellt das Buch „Migrationsskizzen“ vor. (…) Das war Petja Dimitrova bei „Menschen in Gärten“, mit freundlicher Unterstützung von Raben, Krähen, und Kater Kedi.
Und jetzt weg, weg von Wien, weg von der Donau, an den schönen Bosporus. Diese Meeresstrasse, die Verbindung von Asien und Europa, wird täglich von X Öltankern durchquert, während zahllose kleine Personenfähren emsig von Ufer zu Ufer düsen.
Und bevor wir in die alten Lagerhallen zur Biennale schwenken, noch ein paar Buidln von Istiklal Caddesi, der „Unabhängigkeits“-Strasse, im Stadtteil Beyoglu.
Heuer findet die 12. Istanbul Biennale in den sanierten Hafengebäuden Antrepo No. 3 und No. 5 statt, am Bosporus, wo unübersehbar die Kreuzfahrtschiffe ankern.
Hier sind wir schon bei ISIMSIZ, der „Namenlosen“ 12. Istanbul Biennale. Damit beziehen sich die Kuratoren Jens Hoffmann und Adriano Pedrosa auf Felix Gonzales-Torres, dessen Arbeiten oft „untitled“ heißen.
Hier das Kuratoren-Duo bei der Pressekonferenz.
Auch den fünf Themenblöcken geben Gonzales-Torres’ Werke ihren Namen.
Sie heißen Untitled (Abstraction), Untitled (Passport), Untitled (History), Untitled (Death By Gun), und Untitled (Ross).
Ross Laycock war Gonzales-Torres’ Partner, der 1991 an AIDS starb, für ihn hat er alle Arbeiten gemacht, auch über ihn, etwa die candy pieces.
Bei der Istanbul Biennale ist dieser Themenblock, gay-queer, mit seinen familien- und liebeszentrierten Arbeiten altbacken –, so ist zum Beispiel AIDS/HIV in der Kunst gar kein Thema, und auch nicht die aktuelle Situation, in Afrika oder Asien.
Pedrosa und Hoffmann wollen den sterilen Ansatz ungebrochen durchziehen. Und ganz im Sinne der white-cube Ideologie als Raum-Macht, geht es ihnen darum, die Konkurrenz mit weiteren Anregungen und Themen, und mit ungebetenen Zusammenhängen zu vermeiden.
So ist heuer der Aspekt der Reibung, der Auseinandersetzung mit der Stadt und globalen Verhältnissen, und die sogar manchmal provokante Ausrichtung dieser Großveranstaltung verloren gegangen. Erst die nächste Istanbul Biennale wird zeigen, ob die aktuelle Schau nur ein Ausrutscher in die abgehobene Welt des white cubes ist, oder die weitere Richtung der Bienal hin zu einer „braven Neuen Welt“ vorgibt.
Und damit haben wir schon lange genug g’scheit daherg’redt. Auf nach Graz an der schönen Mur, und runter in den Keller, wo WHW – What How and for Whom aus Zagreb – ihre Ausstellung Zweite Welt zeigen. Gute Reise und auf Wiedersehen bei Menschen in Städten.
Menschen in Städten # 29: ein Kulturmagazin
06.09.2011
In dieser Sendung, on air ab Freitag, den 23. 9. 2011, berichten wir nicht von einem Gross-Ereignis in der österreichischen Museenlandschaft: von der MUMOK-Wiedereröffnung unter Karola Krauss, die sich ein Museum der Wünsche gewünscht und realisiert hat.
Aber zunächst bleiben wir noch in Venedig, wo wir uns kurz in den deutschen Pavillon (EgoMania, in memoriam Christoph Schlingensief) auf eine der harten Kirchenbänke setzen. Dann aber auf nach dem Arsenale Nuovissimo zum Pavillon Südafrikas mit Desire (Arbeiten u.a. von Mary Sibande und Siemon Allen; kuratiert von Thembinkosi Goniwe), und in die verwinkelten Venediger Gässchen nach Zimbabwe: Seeing Ourselves (Arbeiten u.a. von Calvin Dondo, Tapfuma Gutsa und Misheck Masamvu; kuratiert von Doreen Sibanda, National Gallery of Zimbabwe).
Noch einmal fragen wir dann nach dem Pavillon der DR Kongo: angekündigt, aber niemals angekommen. Niemand weiss etwas, wir werden es vielleicht noch herausfinden.
Und dann geben wir zurück an Iman Ithram aka Danila Mayer. Afrika in Wien: in der Show des Privatsammlers Stepic (Kunstforum Bank Austria) sehen wir uns bei der Pressekonferenz um, was der Mann (“Afrika ist mein Kontinent”) so alles angeschleppt hat. Und siehe da: die Figuren machen sich einen Spaß daraus, hier herumzustehen -
“Zwischen Mythos und Realität. Begegnung mit Roma” heisst eine Foto-Ausstellung in der Ottakringer Brunnenpassage. Musikalisch begleitet von Adrian Gaspar und einer seiner Formationen, dem Adrian Gaspar Orchestra, sind wir Gast bei der Finissage, wenn am „Marktplatz“ Jugendliche aus KomenskýFond Projekten in Bulgarien, Moldawien, Rumänien, Serbien, der Slowakei, Tschechien, der Ukraine und Ungarn ihre Heimatländer und die Projekte, in denen sie lernen und arbeiten, persönlich vorstellen.
Und wir berichten von der faszinierenden neuen Ausstellung im schönsten Museum: Wald – Baum – Mensch im Museum für Völkerkunde. Kuratiert von Gerard van Bussel und Axel Steinmann, sehen wir eine grandiose Zusammenstellung von Objekten aus dem Haus, fulminant und bedrückend umgesetzt. Dazu auch ein Interview mit den Kuratoren.
Venedig sehen und … am Canal Grande Gondel fahren, und dafür wurde ganz Dalmatien abgeholzt – so schließt sich der Kreis einer Sendung, in der wir uns erst- und einmalig als Kulturmagazin versuchen.
Musik von Adrian Gaspar und dem Adrian Gaspar Orchestra von der CD The Fun-Key, A66 Music 2010, Edition Extraplatte, 2010.
The Girl From Vienna, Solos von Dominik Fuss, Trompete und Erhan Mamudoski, Altsaxophon
Bossinque, Adrian Gaspar, Piano, Benjamin Labschütz, Akustik-Bass, Moritz Labschütz, drums.
Literatur:
Wald – Baum – Mensch. Katalog der Ausstellung im Museum für Völkerkunde. Hrsg. von Gerard van Bussel und Axel Steinmann, khm 2011
Between Myth and Reality: Encounters with Roma. Katalog der Ausstellung. Hrsg. von Caritas und Erste Foundation. Künstler und Künstlerinnen: Matthias Dorninger, Stefanie Freynschlag, Anna Rogenhofer, Fabian Weiß.
Seeing Ourselves. Katalog des Zimbabwe Pavilion, 54th Venice Biennale, 2011. Darin Christine Eyene, “Zimbabwean Art on its Own Terms: Notes about Image and Self-Representation”. Siehe auch Eyenes Beitrag in Third Text 21/2007: “Exeunt Aesthetics. Africa at the Venice Biennale”, und “Belatedness All Over Again. The African Pavilion at the 52nd Venice Biennale” von Anthony Downey im selben Band.
Afrika Afrique Africa, Die Sammlung Stepic (Hg. Herbert Stepic). Katalog zur Ausstellung, Brandstätter Verlag Wien (2011). Vorwort von André Heller, Beiträge größtenteils von Armand Duchateau.
Unsere Empfehlung zur Kunst Afrikas ist allerdings das Buch
Zeitgenössische Kunst aus Afrika. 14 Künstler aus Cote d’Ivoire und Bénin
von Thomas Fillitz, Böhlau Verlag Wien – Köln – Weimar 1997
Menschen in Städten #28 – Menschen in Venedig
13.05.2011
Im Juli direkt vom Pferdemaul: Danila Mayer a.k.a. Iman Ithram berichtet Neues von der Venedig Biennale Nr. 54, IllumiNations, unter der Direktorinnenschaft von Bice Kuriger.
Wir sehen uns in Venedig um – Venedig, Seemacht, Kolonialmacht, Handelsplatz, Kunstwelthauptstadt.
Die Giardini sind der älteste Ausstellungsbereich der Biennale, mit Pavillons, 30 Stück, die zu unterschiedlichen Zeiten entstanden sind, in der Hochblüte des Imperialismus, während der Weltkriege, in postkolonialer Zeit. Den europäischen Kaiser- und Königsreichen folgen aussereuropäische Nationen, und auch dekolonialisierte Staaten.
Die Pavillons, und die anderen Ausstellungsorte der insgesamt 89 Nationen bilden eine eigene Repräsentation der Welt.
Iman Ithram produziert gerade ihre Video-Dokumentation “31 Pavillons”. Sie geht den 30 Ausstellungsgebäuden in den Giardini nach – und der 31. Pavillon? To be announced – mehr hier.
In den Giardini delle Vergine – den Jungferngärten – besuchen wir die Künstlergruppe Gelätin und ihre beeindruckende Arbeit “Some Like It Hot”! Diese Ecke der Biennale ist im Bereich des Arsenale, der Artiglerie, und der Corderie, der alten Seilzieherei.
In der Sendung sind alle Nationalpavillons in den Giardini zu sehen.
Die Kunstwerke und künstlerische Umgestaltung von Pavillons sind von
Diohandi (Beyond Reform, Griechischer Pavillon, verschalt und innen mit Wasser gefüllt);
Vesa-Pekka Rannikko (And all structures are unstable 2011; Neugestaltung des Pavillons von Alvar Aalto);
Kuratorinnenteam Christoph Schlingensief (Schriftzug am deutschen Pavillon; diverse Holzverschläge)
Markus Schinwald (Fassadengestaltung: hohe Mauer den Fassaden vorgelagert; innen Labyrinth eingebaut)
Anetta Mona Chisa und Lucia Tkacova (Performing History): 20 % of reasons not to be at the Venice Biennale/80 % of reasons to be at the Venice Biennale (Beschriftung auf den rechten und linken Flügelwänden des rumänischen Pavillons).
und Werke von
Ayse Erkmen: Plan B. Installation einer zuckerlbunten Wasseraufbereitungsanlage im Pavillon der Türkei im Arsenale
Shadia Alem und Raja Alem: The Black Arch im Pavillon von Saudi Arabien im Arsenale
Gelitin: Some Like It Hot. Glasschmelzofen in den Giardini delle Vergine (Jungferngärten) im Bereich des Arsenale. Die Künstlergruppe wurde von Bice Kuriger zur Biennale eingeladen; ursprünglich wollten sie den Ofen auf einer anderen Insel aufbauen.
eine Videoarbeit von Pipilotti Rist im Padiglione Centrale/Palazzo delle Esposizioni
Ion Grigorescu im rumänischen Pavillon
und 30 Days of Runnig in the Space von Ahmed Basiony, der heuer 31-jährig auf dem Tahrir-Platz in Kairo erschossen wurde.
Weiters in der Sendung:
eine Vaporetto-Fahrt auf dem Canal Grande, komplett mit singenden Gondoliere
Pipilotti Rist erklärt ihre Projektionen
die langen Hallen des Arsenale
und Miriam Makeba hat mit Pata Pata das letzte Wort
Literatur:
Fleck, Robert Die Biennale von Venedig. Eine Geschichte des 20. Jahrhunderts
Menschen in Städten #27 – Dekonstruktionen
13.05.2011
In dieser Sendung gehen wir in die Ausstellung in der Kunsthalle Exnergasse:
Eine Arbeit die das, was sie reflektiert, nicht los wird. Auseinandersetzungen über Kontinuitäten und Brüche kolonialer, faschistischer und nazistischer Praktiken in Österreich.
Wir sind bei der Dekonstruktion von Themen, die in ihrem Zusammenwirken einen Querschnitt der jetzigen Lage in Österreich bieten. Die Arbeiten nehmen migrantische Widerstandspraktiken genauso in den Blick wie die tendenziöse Denkmalgestaltung, und die Diskriminierung von Roma. Das Auftreten gegen rassistische Schmierereien, aber auch Graffiti als politische Aktion. Ein Archiv der Verfolgung und Diskriminierung, und eine Dekonstruktion der kolonialen Grundlagen Österreichs. Ein Film, der eine Frau zeigt, deren ganzes Leben von der meist aussichtslosen Suche nach Aufenthaltsgenehmigungen eingeschränkt war.
Die Ausstellung wurde von Eduard Freudmann, Can Gülcü, Ivan Jurica, Petja Dimitrova, und Lina Dokuzovic entwickelt und kuratiert.
Idemo parku! Mit Ivan Jurica sprechen wir in einem Park am Wiener Gürtel. Seine Arbeit 1989 – 2009: Look Back! Boys from Town Healing the Grief of Beautiful Girls zeigt Repräsentationen von Roma, und den Schlagersänger Karol Duchon und den Erfolg seiner Lieder. Die Songs wurden zu unterschiedlichen Zeiten wieder aufgekocht, zuletzt in den 90er Jahren, als der neue Staat Slowakei dringend kulturelle Identifikationen suchte.
In der Ausstellung waren Arbeiten von Petja Dimitrova, Ivan Jurica, Can Gülcü, Eduard Freudmann und Ivana Marjanovic, Lina Dokuzovic, Ljubomir Bratic/Richard Ferkl, Christian Gangl, Nina Höchtl, kegnschtelik – Jiddischer Widerstand 3,0, maiz, Marcel Malis, MigrafonA, Katharina Morawek, Plattform Geschichtspolitik, Recherchegruppe zu Schwarzer österreichischer Geschichte und Gegenwart/Pamoja, Marika Schmiedt zu sehen.
Mehr zu den Filmen von Petja Dimitrova, Ivana Marjanovic/Eduard Freudmann siehe unten.
Das Musikvideo ist ein Rap von EsRaP: Ausländer mit Vergnügen heisst ihr Stück.
Zum Abspann spielen wir Miriam Makeba: Mama Ndiyalila. Die großartige Sängerin hat ihr Leben, ihre Karriere der Befreiung Südafrikas, und der ganzen Welt, vom unsäglichen Apartheid-Regime gewidmet.
Mit ihrer Musik protestieren Menschen in Städten gegen die Abschiebungen aus Österreich.
Ab 3. Juni täglich auf Okto.
Blue Card for Keti. Ein Video von Petja Dimitrova. View on:
http://www.petjadimitrova.net/werk/bluecard.html
Uglyville
A Contention of Anti-Romaism in Europe
by Eduard Freudmann and Ivana Marjanović
Serbia/Austria 2010, 58 min., English
The film is a critical analysis of the interrelation of racism
(i.e. anti-Romaism) and capitalism in so called New Europe
(Europe after 1989) but also an analysis of strategies of resistance
to its necropolitical governance.
The starting point for the film was the brutal demolition and fencing
of a Roma slum next to “Belville”, a residential area erected to
accommodate guests of the international sports event “Universiade
Belgrade 2009”. In the same time Serbia was holding the annually
rotating presidency of the “Roma Decade”, an international initiative
that tends to represent an “unprecedented political commitment by
European governments to improve the socio-economic status and social
inclusion of Roma”. For that year, one would expect Serbia to make
serious efforts towards improving the discriminated position of Roma
and decreasing the effects of a policy of anti-Romaism that has lasted
for centuries in the region. The opposite was the case: What we
witnessed was the total disregard of the Decade’s objectives
and even an intensification of discrimination by Belgrade authorities,
citizens and media. Seen from the perspective of post-coloniality and
the history of racism, this event appears to be a paradigmatic case of
anti-Romaism in contemporary EUrope.
Credits
Uglyville
A Contention of Anti-Romaism in Europe
by Eduard Freudmann and Ivana Marjanović
Austria/Serbia 2010, 57 min., English/Serbian/German with English subtitles
produced by Kontekst and Kraja
Uglyville - A Contention of Anti-Romaism in Europe is based on the text
"Contention of Anti-Romaism as a Part of the Process of the
Decoloniality of Europe" written by Ivana Marjanovic, extended,
edited and adapted by Eduard Freudmann and Ivana Marjanovic.
Dramaturgical adviser, script editor/proofreader: Lina Dokuzovic
Narrator: Ana Hoffner
Performers
Theorist: Ivan Jurica
Activist 1: Eduard Freudmann
Activist 2: Ivana Marjanovic
Camera operator, sound recordist, editor: Eduard Freudmann
Sound recording for narrator: Martin Riha
Sound editor: Martin Riha
Typographic design: Ramon Grendene
Background poster for theorist scene illustrated by Petja Dimitrova
M.i.St. # 26 Ljubljana (Wh.)
06.04.2011
Im April gibt es Ljubljana zum Wiedersehen.
Im Interview: Brenda Tindal, Atlanta, spricht über Angela Davis und die Black Panther Bewegung in den USA.
Hier der Text:
O-Ton Brenda Tindal, 29. September 2008, Ljubljana:
Meine Forschung befasst sich mit afro-amerikanischen Frauen, die in Sozialbewegungen des 20. Jahrhunderts involviert waren, von den Dreissiger bis in die Achtziger Jahre. Angela Davis ist eine dieser Frauen, und ich blicke auf sie als Teil der Neuen Linken und nicht so sehr als Black Power Vertreterin. So hoffe ich zu diesem wachsenden Diskurs über Angela Davis beizutragen und sie in der Neuen Linken zu positionieren, deren theoretische und politischen Wurzeln in europäischen Konzepten und Traditionen liegen. Ich glaube, dass uns das erlaubt, sie in breiterer oder komplizierterer Weise zu sehen als bisher. Ich denke, dass sie eine dieser Leute ist, die sicherlich missverstanden worden ist und klar falsch interpretiert in der “Populärkultur”, grossgeschrieben. Und daher möchte ich sie im Dissertationsprojekt integrieren. Ausserdem glaube ich nicht, dass sich viele Leute mit den historischen oder politischen und intellektuellen Ideen beschäftigt haben, die Angela Davis sowohl in den Staaten als auch international eingebracht hat.
Angela Davis wurde 1944 in Birmingham/Alabama geboren, und sie lebte in einem Viertel, das Dynamite Hill genannt wurde, und Dynamite Hill, wo sich die Davis-Familie in den 40er Jahren integrierte, wurde so genannt, weil es oft vom Ku Klux Klan angegriffen wurde, terroristisch, gerade weil sich schwarze Familien in diese vorher weiße Enklave mischten. Und so glaube ich, dass diese Apartheid im Süden ganz sicher ein grosser Teil ihres Aufwachsens war, und ganz sicher hatte sie einen gewissen Zugang zu Themen wie Rassismus, und Terrorismus, im speziellen Fall rassistischem Terrorismus, und sicher ist ihr späteres Werk sowohl als Intellektuelle als auch als politische Aktivistin von diesen Erfahrungen als junge Person beeinflusst. Davis hat auch viel Zeit in New York verbracht, ich glaube mit 13 ist sie nach Manhattan gezogen, wo sie im Rahmen eines Quäker-Ausbildungsprogramms dann die “Little Red School” besuchte, die Elisabeth Irvin (?) Schule, die damals sehr progressiv war, und wo Angela Davis mit Marx’ und Engels’ “Kommunistischem Manifest” vertraut gemacht wurde. Kannst du dir das vorstellen, als so junges Mädchen Zugang zum K.M. zu haben, von der Schule her. Die Schule war eine Privatschule, und in vieler Hinsicht ist Davis aus einem elitären Background, was ja ironisch ist wenn wir uns ansehen, in welchen intellektuellen und politischen Zusammenhängen sie sich findet, als sie die Grundausbildung abgeschlossen hatte.
Viele Leute wissen nicht, dass sie nicht erst in den 70er Jahren Aktivistin wurde, sondern schon in den späten 50ern mit Vorfeldorganisationen der Kommunistischen Partei zu tun hatte, es gab zum Beispiel eine Gruppe “Advance”, wo sie mit 15 Mitglied war. Sie protestierte gegen die schlechte Behandlung von Schwarzen in New York, und das zeigt, dass Rassismus ja kein Phänomen des US amerikanischen Südens war, sondern in den Städten des Nordens ebenfalls ein Faktum, endemisch in der US amerikanischen Gesellschaft der 40er, 50er, 60er Jahre, und Angela Davis dagegen auftrat. Also ihre Arbeit als Aktivistin begann lange bevor sie eine Radical Celebrity wurde, in den späten 60er und frühen 70er Jahren, Davis, nach der High School, ging auf die Brandeis University, und studierte Philosophie. Schon im Junior Year ging sie nach Frankreich und studierte an der Sorbonne, sie ist eine von vielleicht einer Handvoll schwarzer Frauen die diese Gelegenheit hatten. Also, wenn wir wieder an ihre pädagogischen Erfahrungen denken, kann ich nur feststellen, dass es diese internationalen Konturen hatte, die sehr einzigartig waren für eine afro-amerikanische Frau aus den Südstaaten. Nach der Sorbonne begann sie ihre Abschlußarbeit an der Universität San Diego, verbrachte aber auch eine Zeit in Deutschland, wo sie Adorno kennen lernte und eigentlich bei ihm dissertieren wollte. Aber unglücklicherweise, naja, nicht unglücklicherweise, aber jedenfalls hat sie die Civil Rights Bewegung nach Amerika zurückgerufen, wo sie ihre Dissertation in San Diego weiterschrieb. Danach wurde sie Philosophie Professorin auf der Los Angeles University, und dort wurde sie eine Art lokaler Celebrity, wegen der Art in der die kalifornischen Amtsinhaber auf ihre Mitgliedschaft bei der Kommunistischen Partei USA reagierten, und ihre Beschäftigung ablehnten. So wurde sie diese lokale Celebrity, und viele StudentInnen sammelten sich um sie, die wollten, dass sie weiter unterrichtete. Von dort an war sie im öffentlichen Leben präsent, und war sehr stark anderen Nervigkeiten dieses sehr repressiven Staates ausgesetzt, von Leuten, die sehr stark NICHT für Black Power Politik und kommunistische Umtriebe waren. So wurde Davis zur Zielscheibe, weil sie ja diese beiden Aktivitäten sehr stark in sich vereinte, und sie fand sich auch sehr involviert beim Anti-Gewalt StudentInnenkommittee und der Black Panther Party, die zu diesem Zeitpunkt bereits eine sehr wichtige Organisation war, die die angesagte Bewegung Black Power vertraten. Angela Davis war also mit diesen Organisationen verbunden, und hatte ja auch eine Beziehung mit George Jackson, der damals ein Mitglied der Black Panther Partei war. Sie war sehr engagiert in der Analyse des Prison Industrial Complex, bevor es diesen Begriff gab; und natürlich war es Jonathan Jackson, George’s Bruder, der versuchte, einen Gefangenenaufstand in San Quentin zu starten, der Gefangene befreien wollte, und dabei wurde eine Waffe verwendet, die auf Angela Davis registriert war. Bei diesem Aufstand wurden glaube ich einige Wärter getötet und das hat Angela Davis natürlich weiter ins Rampenlicht gerückt, und sie ist abgetaucht, in den Untergrund – wann ist das gewesen? – das war 1970, und im August 1970 hat das FBI das Poster veröffentlicht, die Ten Most Wanted, und Davis war die dritte Frau die als Most Wanted gesucht wurde. Und niemand konnte diese sehr attraktive Person übersehen – der abstehende irre Afro-Look war sicher ein besonderes Merkmal von Angela Davis, und irgendwie hatten sich die Leute in dieses Image verschaut, auf ganz eigentümliche Weise, und umso mehr, als ihr Gesicht in den Mediascapes aufgetaucht ist, und Davis als Radical Celebrity eine der Ten Most Wanted wurde. Und das nicht nur im Inland: es gab Free Angela Davis Kampagnen in vielen Staaten, in Frankreich, Deutschland, Grossbritannien, in vielen Gegenden der Welt wurden diese Kampagnen aufgebaut, und so können wir die Anfangsstadien sehen, wie jemand eine Radical Ikone werden kann. Ausserdem war den Leuten klar, dass es ungerechtfertigte Vorwürfe waren, dass die dazu verwendet wurden – als Vorwand – um Leute zu politischen Gefangenen zu machen, um sie von den Strassen zu bekommen, weg davon, die grösseren progressiven Bewegungen zu beeinflussen, die sich in den USA und in Übersee formierten.
Davis wurde freigesprochen, im Juni 1972, und das war ein Riesentriumph speziell für die Afro-amerikanische Community, die seit Jahrhunderten mit dem Rechtssystem haderten, und deshalb war ihr Freispruch ein Höhepunkt in afro-amerikanischer Politik.
Yeah, ein anderer Zusammenhang ist die Black Panther Party, die -denke ich – genauso zu Radical Celebrities gemacht wurden, die jedenfalls – argumentierbar – zu Sprechern des Black Power Movements wurden, und die vielleicht der schlagendste Beweis für die wachsende Black Power Bewegung in den US darstellten.
Die Black Panthers wurden 1966 von Huey Newton und Bobby Seal gegründet, beides Studenten, und viele Leute glauben das nicht, denn ich sehe da eine Tendenz, sie als Teil des Lumpenproletariats wahrzunehmen, Typen von der Strasse, aber Huey Newton war brillant, er studierte Rechtswissenschaften, er konnte frei über Recht sprechen, denn er hatte sich so intensiv damit auseinandergesetzt, dass er gar keine Bücher mehr dazu brauchte. Und wenn er Polizeibrutalität antraf, brutale Cops, hat er sie gestoppt und ihnen die Rechte vorgetragen, und auf diese Weise hat die Black Panther Party die Öffentlichkeit erreicht, indem sie Polizeiübergriffe ansprachen, besonders in Kalifornien, in Oakland. Es hat also als Community-Bemühung begonnen, die sich in eine grössere Körperschaft entwickelte, und bald gab es Black Panther Parties in Chicago, in North Carolina, natürlich überall in Kalifornien. Die Panthers waren halt auch eine sexy Beigabe zur politischen Szene, klar, die Barrette, die steifen Afros, die Lederjacken und die Waffen, all das war richtig sexy, aber die Leute haben nicht darüber gesprochen, dass die Panthers versucht haben, die Probleme in ihren Communities in den Griff zu bekommen. Sie wurden gleich als subversiv bezeichnet, aber sie wollten eigentlich nur Gerechtigkeit für ihre Communities. Für städtische Enklaven wie zb Oakland. Sie hatten Community Selbsthilfegruppen gegründet, Aktionen für Gratis-Essen, Gratis-Grundnahrungsmittel, für Gruppen oder Leute die sonst keinen Zugang zu diesen Ressourcen hatten. Tatsächlich hat die Regierung später ein Free-Breakfast Programm gestartet, in vielen öffentlichen Schulen, aber dafür war die Arbeit der Black Panther Party ein Vorläufer, für dieses Gratis-Essen für underprivilegierte, ökonomisch bedrohte Jugendliche.
Die Panthers hatten sehr edle Motive, brachten sehr viel ein für die Black Liberation, aber in manchen Dingen finde ich haben ihre radikalen Forderungen nicht gender liberation in Betracht gezogen; und in ihren Reihen glaube ich, dass sie eine spezielle Vorstellung davon hatten, wie sich Frauen benehmen sollten, und ich glaube es war Eldridge Cleaver, der den Begriff “Pussy Power” geprägt hat: Frauen sollten sexuell verfügbar für die Brothers sein, für die Revolution, und auch Babies für die Revolution produzieren. Damit haben sie fast bedenkenlos afro-amerikanische Frauen für die Reihen der Black Panthers verfügbar machen wollen, und wenn wir uns das überlegen, diese Ideen in einer so progressiven Organisation, zeigt das, wie sehr die Panthers auch sehr konventionelle Vorstellungen von Geschlecht hatten, all diese korrupten Ideen von Geschlechterrollen. Und viele Frauen in der Black Panther Party waren, in einer Weise, Komplizinnen dieser Ideen.
Manchmal hat eben Black Liberation nicht die Befreiung für die gesamte Community bedeutet. Es gab unterdrückerische Elemente in diesem Konzept schwarzer Befreiung, und oft mussten Frauen mit Bewusstsein sich entscheiden, ob sie eben Teil der Frauenbewegung sein wollten, die schwarze Bewegung ablehnen, und dort als Paria gelten, oder ob sie ein Teil der Black Liberation sein wollten und die Frauenbefreiung ablehnten. Also diese Art von Kompromissen, die Frauen machen mussten, das ist etwas sehr Verstörendes, sehr verstörend! Wenn man als afro-amerikanische Frau sich entscheiden muss, verhandeln muss, ob man für Frauenbefreiung oder rassischer Befreiung ist, das ist sehr unglückselig, sehr unglücklich.
Derzeit ist ja Angela Davis noch da, sie unterrichtet in Kalifornien, an der Universität Riverside glaube ich, und sie ist weiterhin eine Kraft im Bereich Analyse und Kritik am Prison Industrial Complex, und sie produziert weiterhin Wissen und unterrichtet, und sie ist weiterhin Aktivistin – ich hab sie noch nicht getroffen, aber ich werde ihr noch begegnen, ganz sicher!
Menschen in Städten # 25 – Drugs in Cities
17.12.2010
HansChristian Dany und Max Hinderer sprechen anlässlich ihrer Sondernummer Drogen und Drogen des Heftes Kultur und Gespenster (Hamburg) mit Menschen in Städten und erläutern ihre Arbeit und einige der Beiträge im Heft.
HansChristian Dany, der 2008 seine Anthologie Speed. Eine Gesellschaft auf Droge bei Nautilus (Hamburg) herausbrachte, endet das Buch so:
“Es ist eine sehr nahe Zukunft, von der anzunehmen ist, dass Verbesserungsdrogen so normal sein werden wie heute Mobilfunktelefone – als Möglichkeit, seinen Körper den fremdbestimmten Anforderungen unterzuordnen. In dieser abhängigen und auf Abhängigkeit gebauten Gesellschaft gibt es, allen faszinierenden Möglichkeiten von Drogen zum Trotz, gute Gründe, nüchtern zu bleiben.” (Speed, Seite 181).
In Drogen und Drogen schreiben Dany/Hinderer:
“Das Recht auf Rausch zu fordern heißt bloß, am Wahnsinn der Normalität teilzuhaben. Was Drogen als solche auslösen, ist im Vergleich dazu eher aufgeräumter Natur.”
Über Selbstversuche, Überwachungsgesellschaften und die Intensität der Arbeit. Von Kliniken, Placebos, Chemotherapien, dem Individualisierungs- und Flexibilitäts-Normalismus, der Kontrolle von Sichtbarkeit, also über metaphysische Sozialisten und Junkies.
Mit Texten von John Barker, Charlotte Brandt, Hans-Christian Dany, Diedrich Diederichsen, Ines Doujak, Max Hinderer, Aldo Legnaro, Beatriz Preciado, Ramin Raissi, u.v.a.
Bildstrecken von Michael Deistler, Michael Glasmeier, Katrin Mayer und Annette Wehrmann.
Auszüge aus Dany/Hinderers Text Mittel & Wege:
“Genaugenommen nehmen wir selbstverständlich keine Drogen, sondern jeder tut es für sich allein. Gemeinschaftsgefühle kommen dabei genauso selten vor, wie sie auch in der Umgebung nur rar vorhanden sind.”
“Als Ziel der Drogennutzung setzt sich zunehmend durch, damit eine zur Norm erklärte Bringschuld erfüllen zu können. – Innerhalb dieser an den Einzelnen ausgelagerten Disziplinierung scheint es weniger ein Bedürfnis als eine Pflicht zu sein, Drogen zu nehmen. … Neutraler formuliert, handelt es sich um die Nutzung von Körpertechnologien aus einem erweiterten Warenangebot.”
“Längst sind aber auch die Schattenmärkte für Drogen in das gesellschaftliche Gefüge eingegliedert. Wo illegale Drogen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung beitragen können, gibt der Staat ihren Händlern und Verbrauchern den notwendigen Raum. … Sie (die Drogen) liefern Ersatz für den allgemeinen Mangel, den der perspektivlos schwankende Gesellschaftskörper nicht mehr liefern kann.”
“Wer bin ich? Was kann ich? Wie kann ich besser werden? Werde ich den Anforderungen der Gesellschaft genügen? Warum will ich mich bücken und weinen?”
“Deleuze vermutete, an die Stelle des eingeschlossenen Menschen würde in der Kontrollgesellschaft der ‘verschuldete Mensch’ treten. Neben der in Geld bezifferbaren Schulden lauert überall vor allem die schwer fassbare Schuld, nicht zu genügen. Ich habe Schuld, zu schwach zu sein, und es gibt kaum Instanzen, welche vom Gegenteil überzeugen können.”
“Für die Verbesserung, der ersten Schritt zur Entschuldung, müssen wir in Erfahrung bringen, was das optimal Verwertbare an uns ist. Jeder ahnt, was das Verwertbare an seinem Selbst sein könnte. Und an dessen Verwertung sollen alle lebenslänglich arbeiten und lernen. Arbeit heißt: es zu finden, die besondere Energie, das Talent, die Zugehörigkeit, den Unterschied oder den Wahnsinn der Wertschöpfung zu finden.”
Diedrich Diederichsens Buch: Eigennblutdoping. Selbstverwertung, Künstlerromantik, Partizipation. Kiepenheuer & Witsch, 2008.
Unsere Reflektionen dazu führen uns über die Beatles rund um die Welt: “because the world is round, it turns me on”.
Talking Heads
Und weil es die 25. Ausgabe der Sendung ist, blicken wir ab der # 26 auf all unsere Interviews zurück, die wir seit Jänner 2007 zusammengetragen haben, in unterschiedlicher Qualität und Länge, in vielen verschiedenen Städten, zu verschiedensten Themen, und von allen möglichen Leuten.
Brenda Tindal, Atlanta
Robinson Rauer, Ariane Müller Berlin
Nicolas Siepen, Frauke Gust Berlin
Farhad Varahram, Ariane Müller Wien
Roland Fischer-Briand Wien
Gina Gugic, Amina Handke, Manuel Conil
Nebi Bardoshi, Olsi Lelaj Tirana
Martina Reiter Wien
Eleonore Kleindienst Wien
Klaus Weber Sezession Wien
Stephan Geene, AKBild Wien
Ezgi Serdar Istanbul
Hr. Locsmandy Wien
Manfred Markart Wien
Nicolas Siepen Tromsö in Wien
Synne Genzmer Wien
Krizfader Wien
Walter Mignolo Duke University
HansChristian Dany und Max Hinderer, AKBild Wien
Menschen in Städten # 24 – Grenzen
15.10.2010
In dieser Ausgabe sprechen Danila Mayer und Muzaffer Hasaltay mit Walter Mignolo. Unter dem Portrait der Maria Theresia diskutieren wir border thinking, de-linking, de-coloniality, endlich die Zeit nach der “Identität”, und Denken “without the other”. -
Walter Mignolo geht auf das Konzept des/der ‘Anderen’ ein, das er im Europa des 16. Jahrhunderts, der Renaissance, verortet. In den eroberten Gebieten ausserhalb Europas wurden die Menschen als ‘Andere’ klassifiziert, mit einer minderwertigen oder gar fehlenden Rationalität. Der Mensch war männlich, weiß, europäisch und christlich; rundherum wurden die dahinter zurückbleibenden ‘Anderen’ angeordnet.
Und der ‘andere Andere’, der schwarze Mann, begann mit Frantz Fanon zu denken – und damit verschwindet der ‘Andere’, denn wenn er/sie denken kann, gibt es keinen Anderen mehr.
Mignolo erwähnt David Laing (The Divided Self, 1960), Frantz Fanon (Black Skin, White Masks), den Aymarra-Theoretiker und Aktivisten Fausto Reinaga, und Sylvia Wynter: Unsettling the Coloniality of Being/Power/Truth/Freedom: Towards the Human, After Man, Its Overrepresentation–An Argument.
Identitätspolitik, als Instrument der Herrschaft, wird durch Identität in der Politik bekämpft, wie Walter Mignolo im Interview ausführt.
Der erkenntnistheoretische Vorteil des Sklaven, der Slavin, der Unterdrückten generell ist es, dass uns beide Arten des Denkens zugänglich sind, das des ‘masters’ und das der Sklaven. Dadurch ist es möglich, von der Grenze aus zu sprechen, und kein ‘Anderes’ nötig zu haben.
Weiter in der Sendung:
Baustellen, die Riesenbaustelle des zukünftigen Hauptbahnhofes, die alten Abrißbilder des schon historischen Südbahnhofes — dazu springt Captain Sensible von the Damned auf und ab und schreit ‘WOT’, und eine nochmalige ‘Begegnung am Südbahnhof’ mit Coskun Hasaltay und Dirk van Elst zeigt ein schiefgelaufenes Gespräch in den Alten Marmorhallen.
Rauf mit dem Lift, runter mit dem Lift, das Bahnorama ist schwindelerregend und bietet Ausblicke: wie immer, Baustellen wohin wir schauen.
Und übrigens, Walter Mignolo spricht auch von Fanon’s “damnés”, den Verdammten dieser Erde, the Damned, wie passend Captain Sensible da ist –
M.i.St. # 23: Doing It in the Park!
22.09.2010
Urbane Interventionen
In dieser M.i.St. – Sendung zeigen wir das Gespräch zwischen Norman Shetler (philiale) und Charlie Ahearn im Gartenbau-Kino. Ahearns 1983 Film Wild Style auf der Riesenleinwand, das war ein Erlebnis! Charlie Ahearn war auf Einladung der Ausstellung Street and Studio in Wien, um auch Kurzfilme beim Black River Festival zu zeigen, ausserdem läuft von ihm im Kunsthalle project space bis 26.9.10 der 1979 Kung-Fu Film: The Deadly Art of Survival.
Mehr zu Charlie Ahearn und über dreissig anderen “Guerillas an der Zeichenfront – Graffiti, Urban Art, Street Art – chiffrenhafte Selbstermächtigung und Trümmerpoesie der Sinnvernichtung” (Thomas Mießgang) im Kunsthalle-Katalog Street and Studio: bei Menschen in Städten sehr sehr kurz von DJ Krizfader gesampled und kommentiert -
Das BlackRiver Street Art Festival ist dedicated to Contemporary Street and Urban Art und wird von Apocalyptic Colors veranstaltet, dem Institute for Urban Development. Die 2010-Ausgabe des Festivals heisst Muralism and Experimental Visual Strategies und läuft bis zur Finissage am 6.10.10 (project space, 19:00). BigUp Syndey Ogidan! Auf www.blkriver.at gibt es auch eine Graffiti-Analyse von Evan Roth, die er in Wien gesampled hat.
Dane Jerous zeigt urbane Interventionen in Wiener Parks. Im Einsiedlerpark die Graffitis an der Wand des alten Tröpferlbades: HipHopGrows, im Bacherpark zum Schauplatz des 1997-Videos Check den Park! mit DJs Zuzee, Gringo, Sugar B., Samir, Alma, Kathi, Buk, Ali, mit MC Camel, mit den Breakern von B-Boy Soul Tribe und Dynamic Skillz, und und und!!!
Iman Ithram hat ‘urban interventions’ entlang der Wien gesammelt und ge-sampled: Graffitis am Naschmarkt und an der Wienzeile entlang bis zum Gürtel, zu Stücken aus Waxolutionists “the smart blip experience”, nämlich “Unspecial (bits from the u.b.)” und “Zeta reticuli” von DJ Buk. Erschienen 1999 auf DECK8.
Musik der Blackbyrds – Doing It in the Park, Doing It After Dark, oh yeah!
Check den Park!
Katalog der Kunsthalle-Ausstellung Street and Studio. From Basquiat to Séripop. Eds Gerald Matt, Cathérine Hug, Thomas Miessgang 2010 im Verlag für moderne Kunst Nürnberg.