eing’SCHENK’t mit Kenan GÜNGÖR, Soziologe und Spezialist für Integrations- und Diversitätspolitik
26.05.2011
Kenan GÜNGÖR ist Soziologe und Spezialist für Integrations- und Diversitätspolitik.
Selbst beschreibt er sich als “deutschsprachiger Europäer mit kurdisch-türkischen Wurzeln”. Güngör spricht über die Hysterisierung und Engführung der Integrationsdebatte: „Die eigentlichen Inklusionsmomente einer Gesellschaft müssten über andere Bereiche laufen, wie Bildung, Zugang zum Arbeitsmarkt, Wohnen,die Sprache und das gesellschaftliche Klima. In den USA werden Einwanderer mit den Worten begrüßt: ,Es ist gut, dass du da bist. Jetzt schau, dass du zurechtkommst.’ In Österreich heißt es: ,Es ist ein Problem, dass du da bist, das müssen wir jetzt lösen.’” Wenn jemand so willkommen geheißen werde, “ist schon alles entschieden”. Und: „Die Zeit des Nebeneinander ist vorbei. Wir tun so, als wäre der Konflikt zwischen Migranten und Alteingesessenen etwas, das den Integrationsprozess stört. Dabei ist er in wichtiger Teil davon. Nur wie er diskutiert wird, ist ein Problem.”
Elisabeth KLATZER, Ökonomin, Lehrbeauftragte an der Wirtschaftsuniversität Wien.
Arbeitslosigkeit, geringe Wirtschaftsleistung, Bankenrettungspakete und die Stützung des Finanzsektors haben große Budgetlöcher geschlagen. Die Schuldenquote der Eurozone sank vor der Krise. Nach der Krise aber wird sie um 20% höher liegen. Irland oder Spanien hatten vor der Krise Budgetüberschüsse und niedrige Schuldenquoten. Was sie nicht davor bewahrt hat, jetzt unter Druck der Finanzmärkte zu kommen. Das wird jetzt versucht zu verschleiern. Damit die Verursacher der Krise sich nicht an den Krisenkosten beteiligen müssen, damit es keine Regulierung der Finanzmärkte gibt, damit die klaffende Schere zwischen arm und reich nicht angegangen wird, damit alles so weiter geht wie vorher. Business as usual. Mit den selben Konzepten, die in die Krise geführt haben, soll es jetzt hinausgehen. Die derzeit auf europäischer Ebene geplanten Rechtsakte zielen auf Abbau sozialstaatlicher Leistungen sowie Infrastruktur und werden die Löhne unter Druck bringen. Die Finanzminister missbrauchen das europäische Projekt für die Interessen weniger.